Photografie von Mondfinsternisse
Als erstes stellt sich die Frage, wie groß wird der Mond bei einer gegebenen
Optik mit der Brennweite f. Die Größe eines Objekts auf der Filmebene
kann durch folgende Formel berechnet werden:
| Gl.(1) | b = 2·f·tan(a/2) | mit:
B = Größe des Mondbildes auf dem Film
f = Brennweite der Aufnahmeoptik
a = Winkeldurchmessers des Objekts
|
Der Mond hat bekanntlich einen Winkeldurchmesser von a = 0.5°. Setzt
man dies in der Gleichung (1) ein, so erhält man als Faustformel für die Größe
des Mondbildes:
Z.B. liefert ein Teleobjektiv mit f=200mm ein 1.7mm großes Mondbild,
während bei Fernrohren mit f=2.7m der Mond das ganze Kleinbildformat
ausfüllt (b = 23.7mm). Möchte man auf dem Mond noch Einzelheiten (z.B. Mare)
erkennen, so kommen meiner Meinung nach nur Teleobjektive oder Fernrohre
für die Photografie von Mondfinsternisse in Frage, denn mit einem 50mm-Objektiv
wird der Mond nur 0.43mm (bzw. 2.13mm auf einem 12x18cm Abzug!) klein.
Er wird dann nur als ein kleines, sichelförmiges oder rotes Scheibchen erscheinen.
Dank seines großen Gesichtsfeldes kann ein 50mm-Objektiv aber dazu verwendet
werden, den Verlauf einer Finsternis zu dokumentieren. Man macht dazu eine
nicht nachgeführte Mehrfachaufnahme (Maximalbelichtungszeit beachten! s.u.).
Wegen der Erdrotation braucht der Mond ca. 2 Minuten um seinen eigenen
Durchmesser am Himmel zurückzulegen. Daher bietet es sich an, die Einzelbilder
in einem Abstand von z.B. 5 Minuten aufzunehmen. So kann man den Verlauf der
Finsternis in einem Zeitraum von ca. 2 Stunden photografisch festhalten.
Ein Solches Bild kann man z.B. in [5] bestaunen.
Zweitens stellt sich die Frage nach den Belichtungszeiten. Allgemein kann man
aus [1] dafür folgende Beziehung entnehmen:
| Gl.(3) | t = N2/(C·E) | wobei:
N = Brennweite/Objektivdurchmesser
C = Konstannte = 120 für Vollmond
E = Filmempfindlichkeit in ASA bzw. ISO
|
Die Größe C hängt vom Phasenwinkel des Mondes ab. Da Mondfinsternisse aber
nur bei Vollmond auftreten, sei die Tabelle aus [1] hier nur aus Vollständigkeit
wiedergegeben:
Phasenwinkel [°] | Mondalter [Tage] | Cges
|
CTerminator
|
Cges gilt nur für die Fotografie des
gesammten Mondes
CTerminator gilt nur für die
Fotografie in der Nähe des Terminators |
| 0 | 14 | 120 | 120 |
| 12 | 13 oder 15 | 86 | 86 |
| 24 | 12 oder 16 | 67 | 67 |
| 37 | 11 oder 17 | 52 | 50 |
| 49 | 10 oder 18 | 41 | 38 |
| 61 | 9 oder 19 | 34 | 29 |
| 73 | 8 oder 20 | 29 | 23 |
| 85 | 7 oder 21 | 24 | 17 |
| 98 | 6 oder 22 | 19 | 13 |
| 110 | 5 oder 23 | 16 | 6 |
| 122 | 4 oder 24 | 14 | 7 |
| 134 | 3 oder 25 | 11 | 4 |
So erhält man z.B. für eine Optik mit N=10 (wie "Russentonne" oder C8) auf
einem 400ASA Film eine Belichtungszeit für den vollbeleuchteten Vollmond
von t=1/480s oder ca. 1/500s. Befindet sich der Mond im Halb- bzw. Kernschatten,
so muß man natürlich länger belichten. Die Verlängerungsfaktoren können aus
folgender Tabelle entnommen werden:
| Stadium der Finsternis | Verlängerungsfaktor |
Diese Daten wurden aus [2] entnommen |
|---|
| Volles Mondlicht | 1x |
| Halbschatten | 3-6x |
| am Rand des Kernschatten | 300-3000x |
| Finsternismitte | 10000x |
Damit ergibt sich bei einem Öffnungsverhältnis von N=10 in der Mitte der
Finsternis eine Belichtungszeit von 1/500s x 10000 = 20s
auf einem 400ASA-Film. Aber Achtung! Die Formeln liefern nur Richtwerte!
Die Helligkeit einer Mondfinsternis hängt seht stark vom Verschmutzungsgrad
der oberen Erdatmosphäre ab. Laut [3] wurde die Finsternis im April 1996
als 'mittelhell' klassifiziert. Das andere Extrem soll die Finsternis vom
9./10.12.1992 gewesen sein. Aufgrund von Staubmassen, die der Vulkan Pinatubo
in die Atmosphäre gepustet hatte, war die Finsternis 'eine der dunkelsten, die
es je gegeben hat'. Der verfinsterte Mond war visuell fast nicht mehr zu
erkennen. Sie war einige 100mal heller als die 'helle' Finsternis vom
9.2.1990 (siehe [4]). Die Belichtungszeiten sind für den Fall, daß uns ein
Vulkan noch vor der nächsten Finsternis eine Menge Staub in die Luft pustet,
nochmals zu verlängern.
Außerdem muß man noch die Höhe des Mondes über den Horizont berücksichtigen
(Dunst!). Es kann also nicht schaden, einige Aufnahmen mit doppelter, vierfacher
oder achtfacher Belichtungszeit zu machen. Man sollte stets etwas mit der
Belichtungszeit spielen. Ein gute Idee ist es, außerdem alle verfügbaren
Fachzeitschriften und Bücher nach Photos von Mondfinsternissen zu durchsuchen
die dort angegebenen Aufnahmedaten (Öffnungsverhältnis, Brennweite,
Filmempfindlichkeit, Belichtungszeit) auf eigene Verhältnisse umzurechnen.
Nach dem Motto: "Wie lange hätte ich belichten müssen, wenn ich diese
Aufnahme mit meiner Optik auf einem xxx ASA-Film gemacht hätte?" Dazu zwei
Hinweise:
- Verdoppelt man die ASA-Zahl, halbiert sich die Belichtungszeit, siehe Gl.(3)
- Das Öffnungsverhältnis geht quadratisch in die Belichtungszeit ein, d.h.
von z.B. Blende 4 auf 5.6 muß die Belichtungszeit verdoppelt, und von
Blende 4 auf Blende 8 vervierfacht werden, siehe Gl.(3)
Bleibt noch zu klären, wann eine Kamera nachgeführt werden muß. Mit N=4 und
einer Filmempfindlichkeit von 1600ASA erhält man für die Finsternismitte eine
Belichtungszeit von ca. 1s. In dieser Zeit bewegt sich der Mond wegen der
Erdrotation um 0.004° = 15''. Mit einer Brennweite von f=200mm wird
dieser Winkel 0.0145mm groß auf der Filmebene abgebildet. Davon dürfte man
auch bei hochauflösenden Filmen nichts sehen. Gibt man eine maximale
Bewegungsunschärfe von 0.03mm vor (genug für grobkörnige, hochempfindliche
Filme), so kann man sogar 2s belichten. Wie man leicht sieht, so würde es
jetzt in einem Mathelehrbuch heißen, kann die maximale Belichtungszeit, in
der der Mond bei gegebener Brennweite f eine bestimmte Strecke S nicht
überschreitet, durch folgende Formel ausgerechnet werden:
| Gl.(4) | t = 2·arctan(S/(2·f)) / 0.004 |
mit:
t = Belichtungszeit
S = maximale Unschärfe
f = Brennweite
|
Die Deklination des Mondes kann vernachlässigt werden.
Aus Formel (4) erhält man nun folgende Tabelle:
| f [mm] | | t [s] |
|
Maximalbelichtungszeit t
bei gegebener Brennweite f
und S=0.03mm |
| 50 | |
8 | |
| 100 | |
4 | |
| 200 | |
2 | |
| 300 | |
1.4 | |
| 400 | |
1 | |
| 500 | |
0.8 | |
| 800 | |
0.5 | |
| 1000 | |
0.4 | |
| 2000 | |
0.2 | |
Bei einem 1600ASA-Film dürfte 400mm f/4 wohl die längste Brennweite sein,
bei der man noch ohne Nachführung auskommt. Nimmt man aber einen 3200ASA-Film,
so könnte man sogar noch bei einem Teleskop mit f=800mm f/4 ohne
Nachführung auskommen.
Mondfinsternisse bieten die Gelegenheit, die Form des Erdschattens zu
dokumentieren. Man macht dazu einfach eine Mehrfachaufnahme, wobei die
Kamera an den Sternen nachgeführt wird. Eine solche Aufnahme war z.B. in
[5] zu sehen. Wenn man nicht will, daß sich die Mondbilder überlappen,
so sollte man die einzelnen Mondbilder in einem Abstand von ca. eine
Stunde machen, denn das ist die Zeit, die der Mond braucht, um seinen
eigenen Durchmesser relativ zu den Sternen zurückzulegen.
So, das war's was ich zu diesem Thema zu sagen hätte. Bleibt mit noch allen,
die letztes Mal Pech hatten, für's nächste Mal mehr Glück zu wünschen.
Clear skys to all of you!
Literatur:
- [1] B.Koch, Sternführer 1988, S.72
- [2] H.M. Hahn, Astrofotografie als Hobby, S.58
- [3] Sterne und Weltraum 8-9/1996, S.652
- [4] Sterne und Weltraum 3/1993, S.222f
- [5] Sterne und Weltraum 7/1996, S.577f
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letzte Änderung: 25.07.1997