MURPHYS GESETZ (FORTSETZUNG AUS DEM 1. RUNDBRIEF 98)
Ja! Wo soll ich beginnen? Es war einmal eine Montierung.. Nee, das gab's
schon mal. Jetzt weiß' ich: Treffen sich zwei Zahnräder. Sagt das
eine..Nee, das ist jetzt irgendwie zu flach. Also: Meine Probleme mit
dem mangelnden Grips (So heißt das in der Formel 1, wenn die reifen auf
der Fahrbahn greifen) des Motorzahnrades auf das schneckentreibende
Zahnrad der Stundenachse sind noch immer offen! Mittlerweile kann ich
Splinte und andere Metallstifte aus und wieder eintreiben, daß es nur so
eine Pracht ist. Aber auch wenn die Federkraft auf der Rutschkupplung
mit meiner schönen neuen Sicherungsringzange voll aufgebracht ist, denkt
sich das Zahnrad: Erst laufe ich 'ne Stunde lang. Dann, wenn er
wegguckt, rutsche ich wieder durch. Mittlerweile habe ich einige Stunden
an meiner Montierung zugebracht. Ich kenne sie jetzt gut. Ich würde
sagen intim. Doch wie überrede ich die Rutschkupplung, daß sie
funktionieren soll wie die Autos in der Formel 1". Nicht die Kupplung
durchrutschen lassen, sondern die Räder zum drehen bringen. Schließlich
nehme ich die Montierung soweit auseinander, bis ich vor dem
Schneckenrad in seinem Gehäuse und der offenliegenden Schnecke stehe.
Leider komme ich an diesem Punkt nicht weiter. An der Lagerung der
Schnecke herumzumanipulieren, werden ich mich hüten. Soweit es geht,
entferne ich sämtliches altes Fett und ersetze es durch hochwertiges
Lagerfett. Vielleicht , sage ich mir, kann so der Drehwiderstand der
beweglichen Teile reduziert werden, daß die Rutschkupplung wieder etwas
mehr Griff bekommt. Nach einigen Stunden ist alles wieder montiert, und
ich wage einen letzten Versuch: Alles noch mal auf den richtigen Sitz
überprüfen. Netzstecker in die Kupplung des Steuergerätes. Diese an die
Akkus. 3-2-1-Schalter an. Der Motor dreht. Aber das tat er ja ohnehin
ganz brav. Das motorseitige Rad der Rutschkupplung dreht
ebenfalls....und nimmt jetzt auch das schneckenradseitige Zahnrad mit.
Jetzt kommt's noch mal drauf an! Ich stelle die Sternzeit auf die
Uhrzeit. Annäherungsweise kann ich so kontrollieren, inwieweit die
Stundenachse gedreht wird. Es vergeht ¼ Stunde. Es vergeht ein 1/2
Stunde. Schließlich läuft die ganze Apparatur 1 Stunde lang brav mit.
Aber ich hatte zuvor schon mit der Hand festgestellt, daß das Drehmoment
der Schnecke sich spürbar reduziert hatte. Noch etwas vorsichtig
zufrieden, baue ich die ganze Sache ab und transportiere sie an ihren
angestammten Platz. "Beim nächsten klaren Abend ist dann Generalprobe".
So müssen sich die Techniker beim ersten ARIANE-Start vorher auch
gefühlt haben..!" "Alles klar!", sage ich mir.
Matthias Elsen
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Letzte Änderung: 01.09.1998