Am 11. Februar bekam ich vom DLR eine Pressemitteilung zugemailt, in der die Sichtbarkeit des Space Shuttles Endeavour von Deutschland aus angekündigt wurde. In der Zeit vom 13. bis 15. Februar sollte das Space Shuttle von Norddeutschland aus in der Abenddämmerung zu sehen sein. Für genauere Angaben wurde auf die Webseite http://www.heavens-above.com hingewiesen. Die Seite erwies sich in diesem Zusammenhang als eine wahre Goldgrube. Auf dieser Web-Site kann man sich die Sichtbarkeit eines Satelliten für jeden beliebigen Punkt auf der Erdoberfläche berechnen lassen. Die Ortsangabe erfolgt entweder durch Eingabe geografischer Koordinaten (Länge, Breite, Zeitzone) oder durch Auswahl des Beobachtungsortes aus einer Datenbank, die über zwei Millionen Orte enthält (auch so kleine Orte wie Lichtenhagen sind drin!). Daraufhin erhält man die genauen Sichtbarkeitszeiten: Aufgang bzw. Auftauchen aus den Erdschatten, Zeitpunkt, in dem der Satellit seine größte Höhe über dem Horizont erreicht, sowie den Zeitpunkt des Unterganges bzw. Eintauchens in den Erdschatten.
Außerdem bekommt man noch zwei Sternkarten, in denen die Flugbahn des Satelliten vom gewählten Beobachtungsort aus angezeigt wird. Bei der einen Sternkarte handelt es sich um eine 180°-Ansicht des Himmels und bei der Anderen um eine Ausschnittvergrößerung der Flugbahn mit sekundengenauen Zeitangaben. Mit Hilfe dieser Karten war es mir möglich vorherzusagen, durch welche Sternbilder das Space Shuttle von meinem Beobachtungsort (9° Ost, 52,7° Nord) aus gesehen hindurch fliegen würde.
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| Flugbahn des Space-Shuttles Discovery STS-99 am 13.2.2000 von Borstel (52.66° N, 9° O) aus gsesehen. |
Gegen 18:39 Uhr erreichte das Shuttle seine größte Höhe über dem Horizont von 70°. Zu diesem Zeitpunkt war es etwa genau so hell wie Jupiter - es war also nicht am Himmel zu übersehen. Danach bewegte sich das Shuttle in Richtung Osten an den Sternen Castor und Pollux vorbei und verschwand gegen 18:40 Uhr in der Nähe des Sterns Prokyon im Erdschatten.
Es war für mich mal etwas anderes, einen Satelliten bzw. eine Raumfähre "bewusst" am Himmel gesehen zu haben. Wenn ich das nächste Mal zum Beobachten herausgehe, werde ich vorher auf der o. g. Webseite nachschauen, welche Satelliten sichtbar sind (MIR, ISS und Iridium-Flares sind dankbare Kandidaten), um diese dann gezielt beobachten zu können. Am Montag, den 14.02., hatte ich noch einmal Gelegenheit, das Space Shuttle von Göttingen aus zu sehen. Aber am darauf folgenden Tag haben mir Wolken die Sicht versperrt.
Am 25. Februar hatte ich Gelegenheit, die Internationale Raumstation (ISS) zu sichten. Von meinem Beobachtungsplatz aus gesehen stieg sie gegen 18:42 Uhr im WSW üben den Horizont, zog an Mars, Jupiter und Saturn vorbei, passierte das "Goldene Tor der Ekliptik", durchquerte die Sternbilder Zwillinge und Krebs, um dann gegen 18:50 Uhr in der Nähe von Regulus im Erdschatten zu verschwinden.
Am darauf folgenden Morgen konnte ich die Raumstation MIR beobachten. Von meinem Beobachtungsplatz aus gesehen zog sie gegen 6:21 Uhr an dem Stern Spica in der Jungfrau vorbei. Etwa eine Minute später verschwand sie dann in Dunstwolken.
Am Abend des 26. Februar hatte ich das Glück, ein extrem helles Iridium-Flare beobachten bzw. fotografieren zu können. Laut Vorhersage sollte dieses Flare um 19:31 Uhr in der Nähe des Sterns Beta UMi auftauchen und eine Maximalhelligkeit von -8 mag erreichen!!! Da ich also genau wusste, wann und wo dieses Ereignis auftreten sollte, lag es natürlich nahe, es auf Film zu bannen. Ich richtete meine Kamera auf das Himmelsareal, wo laut Vorhersage der Flare zu erwarten war und begann gegen 19:30 Uhr mit der Belichtung. Eine Minute später fiel mir dann ein Lichtpunkt auf, der sich langsam bewegte und immer heller wurde. Ich konnte mir nicht vorstellen, dass das Flare wirklich -8 mag (ca. 250 mal heller als Jupiter und etwa 40 mal heller als die Venus in ihrem größten Glanz!) erreichen sollte. Aber ich wurde angenehm überrascht! Zwar kann ich nicht sagen, ob der Flare wirklich -8 mag erreichte, aber für wenige Sekunden entwickelte dieser Iridium-Flare eine Helligkeit, die Jupiter bei weitem in den Schatten stellte. Durch diese erfolgreiche Beobachtung ermutigt, holte ich mir aus dem Internet weitere Vorhersagen über die Sichtbarkeit von Iridium-Flares. Dabei fiel mir auf, dass fast an jedem Abend Flares gesehen werden können - nur erreichen bei weitem nicht alle -8 mag. Sehr oft bleiben sie auch weitaus schwächer. Es ist wichtig, dass man sich auf wenige Kilometer genau im Zentrum des Flares befindet. Eine Entfernung von 20 km vom Flare-Zentrum kann einen Helligkeitsunterschied von 5 mag zur Folge haben.
Uwe Nolte
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