Viele Neueinsteiger in die Astronomie, die sich ein Teleskop kaufen wollen, fallen häufig auf Werbeslogans von Billiganbietern (in der Regel Versandhäuser) rein, die z.B. lauten:
Wenn nun unser neuer, stolzer Fernrohrbesitzer mit seinem neuen Teleskop
z.B. den Jupiter beobachten will, verwendet er meist in der Hoffnung etwas
Gutes zu tun, sofort die stärkste Vergrößerung zum Aufsuchen des Planeten.
Resultat: er findet und findet ihn nicht. Hat er dann nach langem mühevollen
Suchen den Planeten gefunden, so sieht er nur ein zitterndes, unscharfes und
verwaschenes Scheibchen, das sich zu allem Überfluß noch innerhalb weniger
Sekunden aus dem Bildfeld bewegt. Folge: der totale Frust! Dabei ist dem
Beobachter gar nicht klar, daß er es mit einem Teleskop eines Herstellers
zu tun hat, der seine eigenen Produkte wohl nie ausprobiert hat.
Denn sonst würde dieser sehr schnell merken, daß Vergrößerung
nicht das A und O eines Fernrohres ist.
Die folgenden Artikel sollen zeigen was man als Einsteiger
wissen sollte, und wie man am besten Enttäuschungen vermeidet.
Haben Sie in Ihren Bekanntenkreis einen Amateurastronomen, dann bitten Sie ihn
doch mal darum, sich ein paar Himmelsobjekte in seinem Telsekop anschauen zu
dürfen. Kennen Sie keinen Amateurastronomen, dann sollten Sie die nächste
Volkssternwarte aufsuchen. Ein Verzeichnis der
Volkssternwarten
finden Sie im German Astronomical
Directory. Aber nicht nur den Mond anschauen! Der sieht auch im
armseligsten Teleskop hübsch aus. Lassen Sie sich ruhig mal ein paar
schwächere Objekte (z.B. Galaxien) zeigen, um einen Eindruck davon zu
bekommen wie diese im Fernrohr aussehen. Und bitte nicht nur durch das
größte Teleskop schauen. Es sei denn Sie wollen gleich mehrere
10.000DM für Ihr neues Teleskop investieren. Schauen Sie ruhig mal
durch ein kleineres Teleskop (auch mal bei übertrieben starker
Vergrößerung). Dann merken Sie sehr schnell, daß
Vergrößerung nicht alles ist.
Aber vielleicht stellen Sie ja auch fest, daß Sie doch mehr erwartet
hatten, und es sich nicht lohnt für ein paar schwache Nebelflecken mehrere
1000DM auszugeben.
Auch wenn Sie schon eine Vorstellung davon haben, was Sie "da oben"
erwartet, so müssen Sie auch in der Lage sein, die Himmelsobjekte, die Sie
Beobachten wollen, am Himmel zu finden. Eine gute Kenntnis der Sternbilder
ist daher unumgänglich. Wie wollen Sie sonst z.B. Saturn in Ihrem Teleskop
einstellen, wenn Sie nicht wissen, wo er am Himmel zu finden ist?
Außerdem brauchen Sie eine sehr gute Sternkarte
(z.B. SkyAtlas 2000.0 von W. Tirion oder die Uranometria 2000.0.
Das ist wichtig, wenn Sie Objekte beobachten wollen, die nicht mehr mit
bloßem Auge zu sehen sind (z.B. Galaxien). Die Sternkarte aus Ihrem
Weltatlas reicht dazu nicht mehr. Sie brauchen eine Sternenkarte, die
mindestens alle Sterne zeigt, die auch im Sucher Ihres Teleskops zu sehen sind,
damit Sie sich Stern für Stern an das Objekt heranpirschen können.
Denn sonst finden Sie das Objekt mit dem kleinen Gesichtsfeld eines Teleskops
niemals.
Auch wenn Sie sich gleich ein computergesteuertes Teleskop zulegen, so müssen
sie dieses erst zu Beginn jedes Beobachtungsabends mit Hilfe zweier bekannter
Sterne ausrichten, bevor Sie den Computer zum Aufsuchen anderer Objekte benutzen
können - Sie sehen schon: ganz ohne Kenntnisse der Sternbilder geht's auch hier
nicht.
Möchten Sie einen Planeten beobachten, so müssen Sie auch noch wissen in
welchem Sternbild er gerade steht. Das ist wichtig, da Planeten ihre
Position unter den Sternen laufend verändern. Die Position eines Planeten kann
man aus einem sog. "Astronomischen Jahrbuch",
einer Astronomie-Zeitschrift oder auch dem
World Wide Web entnehmen. Mit einem entsprechenden
Computerprogramm kann man sie auch selber berechnen.
Möchte man sich nur mal schnell einen Überblick über den aktuellen
Sternhimmel verschaffen, so leistet eine sog. "Drehbahre
Sternkarte" sehr gute Dienste.
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