Einführung in die Astronomie Teil 2 - Beobachtungsinstrumente

2.0 Einsteigen, aber richtig!

Viele Neueinsteiger in die Astronomie, die sich ein Teleskop kaufen wollen, fallen häufig auf Werbeslogans von Billiganbietern (in der Regel Versandhäuser) rein, die z.B. lauten:

"Teleskop mit 60mm Öffnung, 400x Vergrößerung, nur 99,- Euro"

Wenn nun unser neuer, stolzer Fernrohrbesitzer mit seinem neuen Teleskop z.B. den Jupiter beobachten will, verwendet er meist in der Hoffnung etwas Gutes zu tun, sofort die stärkste Vergrößerung zum Aufsuchen des Planeten. Resultat: er findet und findet ihn nicht. Hat er dann nach langem mühevollen Suchen den Planeten gefunden, so sieht er nur ein zitterndes, unscharfes und verwaschenes Scheibchen, das sich zu allem Überfluß noch innerhalb weniger Sekunden aus dem Bildfeld bewegt. Folge: der totale Frust! Dabei ist dem Beobachter gar nicht klar, daß er es mit einem Teleskop eines Herstellers zu tun hat, der seine eigenen Produkte wohl nie ausprobiert hat. Denn sonst würde dieser sehr schnell merken, daß Vergrößerung nicht das A und O eines Fernrohres ist.
Die folgenden Artikel sollen zeigen was man als Einsteiger wissen sollte, und wie man am besten Enttäuschungen vermeidet.

Wie vermeide ich Enttäuschungen?

Enttäuschungen vermeidet man am besten, indem man sich vorher klar macht, worauf man sich einläßt. Das heißt in diesem Fall: nicht einfach in den nächsten Optik- oder Fotoladen laufen und sich irgend ein Fernrohr aufschwatzen lassen. Das Risiko, daß es so wie im oben beschriebenen Beispiel endet, ist zu groß. Daher sollte man sich zuerst einmal klar machen was es dort oben am Himmel überhaupt zu sehen gibt und wie diese Objekte in einem Amateurfernrohr aussehen. Eines sollte Ihnen immer klar sein: ein (vielleicht noch so großes) Amateurteleskop kann nicht mit dem Hubble Space Telescope (HST) konkurrieren und Ihr Auge kann es auch nicht mit der Lichtausbeute einer professionellen CCD-Kamera aufnehmen!
Zum Vergleich: das HST mit seinem 2.38m Spiegeldurchmesser hat mehr als die 1500fache Lichtsammelleistung wie das o.g. 6cm Teleskop, und die Lichtausbeute einer CCD-Kamera erreicht bis zu 80%. Die Lichtausbeute des menschlichen Auges liegt dagegen bei wenigen Prozent! Außerdem kann eine CCD-Kamera im Gegensatz zum menschlichen Auge das einfallende Licht über Minuten, Stunden oder Tage(!) hinweg sammeln und aufsummieren (die längste mit dem HST belichtete Aufnahme wurde 10 Tage lang belichtet - dabei wurden noch Objekte erreicht, die fast 40.000.000 mal schwächer sind als die schwächsten Sterne, die man mit einem 6cm Fernrohr noch sehen kann). Daher sollte es nicht verwundern, daß die meisten Nebel und Galaxien in Amateurfernrohren nur als blasse, graue, verwaschene Flecken zusehen sind und nicht so schön bunt erscheinen wie man es aus Bilderbüchern kennt. Auch die Planeten sehen nicht so aus wie auf Raumsondenfotos. Selbst Jupiter - der größte Planet im Sonnensystem - erscheint im Teleskop bei 100facher Vergrößerung nicht größer als ein 6mm große Erbse aus 25cm Entfernung. Bei den anderen Planeten sieht's auch nicht besser aus. Sorry für die harten Worte, aber ich sag' es Ihnen lieber jetzt gleich um Ihnen eine spätere Enttäuschung zu ersparen.

Haben Sie in Ihren Bekanntenkreis einen Amateurastronomen, dann bitten Sie ihn doch mal darum, sich ein paar Himmelsobjekte in seinem Telsekop anschauen zu dürfen. Kennen Sie keinen Amateurastronomen, dann sollten Sie die nächste Volkssternwarte aufsuchen. Ein Verzeichnis der Volkssternwarten finden Sie im German Astronomical Directory. Aber nicht nur den Mond anschauen! Der sieht auch im armseligsten Teleskop hübsch aus. Lassen Sie sich ruhig mal ein paar schwächere Objekte (z.B. Galaxien) zeigen, um einen Eindruck davon zu bekommen wie diese im Fernrohr aussehen. Und bitte nicht nur durch das größte Teleskop schauen. Es sei denn Sie wollen gleich mehrere 1.000Euro für Ihr neues Teleskop investieren. Schauen Sie ruhig mal durch ein kleineres Teleskop (auch mal bei übertrieben starker Vergrößerung). Dann merken Sie sehr schnell, daß Vergrößerung nicht alles ist.
Aber vielleicht stellen Sie ja auch fest, daß Sie doch mehr erwartet hatten, und es sich nicht lohnt für ein paar schwache Nebelflecken mehrere 1000Euro auszugeben.
Auch wenn Sie schon eine Vorstellung davon haben, was Sie "da oben" erwartet, so müssen Sie auch in der Lage sein, die Himmelsobjekte, die Sie Beobachten wollen, am Himmel zu finden. Eine gute Kenntnis der Sternbilder ist daher unumgänglich. Wie wollen Sie sonst z.B. Saturn in Ihrem Teleskop einstellen, wenn Sie nicht wissen, wo er am Himmel zu finden ist? Außerdem brauchen Sie eine sehr gute Sternkarte (z.B. SkyAtlas 2000.0 von W. Tirion oder die Uranometria 2000.0. Das ist wichtig, wenn Sie Objekte beobachten wollen, die nicht mehr mit bloßem Auge zu sehen sind (z.B. Galaxien). Die Sternkarte aus Ihrem Weltatlas reicht dazu nicht mehr. Sie brauchen eine Sternenkarte, die mindestens alle Sterne zeigt, die auch im Sucher Ihres Teleskops zu sehen sind, damit Sie sich Stern für Stern an das Objekt heranpirschen können. Denn sonst finden Sie das Objekt mit dem kleinen Gesichtsfeld eines Teleskops niemals.
Auch wenn Sie sich gleich ein computergesteuertes Teleskop zulegen, so müssen sie dieses erst zu Beginn jedes Beobachtungsabends mit Hilfe zweier bekannter Sterne ausrichten, bevor Sie den Computer zum Aufsuchen anderer Objekte benutzen können - Sie sehen schon: ganz ohne Kenntnisse der Sternbilder geht's auch hier nicht.
Möchten Sie einen Planeten beobachten, so müssen Sie auch noch wissen in welchem Sternbild er gerade steht. Das ist wichtig, da Planeten ihre Position unter den Sternen laufend verändern. Die Position eines Planeten kann man aus einem sog. "Astronomischen Jahrbuch", einer Astronomie-Zeitschrift oder auch dem World Wide Web entnehmen. Mit einem entsprechenden Computerprogramm kann man sie auch selber berechnen.
Möchte man sich nur mal schnell einen Überblick über den aktuellen Sternhimmel verschaffen, so leistet eine sog. "Drehbahre Sternkarte" sehr gute Dienste.

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