Da ein Teleskop in der Regel mit mehreren Okularen ausgeliefert wird,
und man sich auch neue Okulare dazukaufen kann, kann man die
Vergrößerung des Teleskops ganz nach Lust und Laune
variieren, jenachdem welches Okular man benutzt. Man könnte also
auf die Idee kommen, daß man jedes Fernrohr auf z.B. 400fach oder
mehr hochjagen kann. Das ist theoretisch zwar richtig, es fragt sich
nur, ob das auch etwas bringt: 1. wird bei höhere
Vergrößerung das Bild immer blasser und dunkler, 2. wird das
Gesichtsfeld immer kleiner, 3. vergrößert man auch das
Flimmern der Luft, so daß das Bild bei höherer
Vergrößerung immer unschärfer wird. Man sagt, daß
die maximal sinnvolle Vergrößerung eines Teleskops dann
erreicht ist, wenn die Vergrößerung dem doppelten
Objektivdurchmesser in mm entspricht (also bei einem Fernrohr mit 100mm
Objektivöffnung maximal 200fach). Eine noch stärkere
Vergrößerung liefert zwar größere Bilder,
führt aber nicht zum Erkennen von feineren Details. Man befindet
sich im Bereich der "leeren" oder "toten"
Vergrößerung. Erfahrungsgemäß glauben einem
Anfänger sowas nicht sofort. Dagegen hilft nur eins: Ausprobieren -
denn Versuch macht bekanntlich klug. Aber bitte nicht jammern, wenn man
nichts sieht!
Die beste Vergrößerung für ein Himmelsobjekt hängt
von verschiedenen Bedingungen ab. Möchte man einen großen
Himmelskörper (z.B. Mond, Sternhaufen) ganz im Gesichtsfeld haben
oder nur einen Ausschnitt? "Verträgt" das Objekt hohe
Vergrößerung? (manche Objekte werden bei zu hoher
Vergrößerung sogar unsichtbar!) Wie ruhig ist die Luft? usw.
Es ist eine gute Idee, stets mit der schwächsten
Vergrößerung zu beginnen, und sich dann schrittweise an
höhere Vergrößerungen heran zu tasten. Auch das
Auffinden eines Objekts wird dadurch sehr erleichtert!
Die Auflösung eines
Teleskops wird durch den Objektivdurchmesser bestimmt. Der Grund dafür
liegt in der Natur des Lichts: Licht kann als eine sogenannte
"elektromagnetische Welle" betrachtet werden. Streicht nun das
Licht an einem Hindernis (in diesem Fall die Objektiv- bzw. Spiegelfassung)
vorbei, so wird es ein wenig abgelenkt (gebeugt, wie der Fachmann sagt).
Diese Beugung führt dazu, daß ein punktförmiger Stern
nicht mehr als Punkt von Teleskop abgebildet wird. Er wird stattdessen
zu einem kleinen Scheibchen (dem sog. "Beugungsscheibchen")
verschmiert.

Das Auflösungsvermögen spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht eng beieinander stehende Sterne zu trennen oder feine Details auf Planeten zu beobachten. Natürlich muß man hierbei auch die Luftunruhe beachten.
Genau wie beim Fernglas, hängt die "Reichweite" eines Teleskops (d.h.: wie hell sind die schwächsten Sterne, die ich mit dem Teleskop noch sehen kann?) vom Durchmesser der Optik ab. Natürlich spielt hierbei die Dunkelheit (bzw. Helligkeit) des Nachthimmels eine wichtige Rolle. Folgende Tabelle kann Richtwerte für die Reichweite eines Fernrohres liefern:
| Objektivöffnung [mm] |
Grenzgröße [mag] |
Lichtsammelvermögen im Vergl. zum Auge |
Bei dieser Tabelle wurde davon ausgegangen, daß ein Beobachter mit einem Pupillendurchmesser von 6mm noch Sterne 6. Größe erkennen kann. In Großstadtnähe oder bei Mondlicht sind hier einige Abstriche zu machen, während man im Hochgebirge eventuell noch schwächere Sterne sehen kann. | |||
|---|---|---|---|---|---|---|
| 50 | 10.6 | 69x | ||||
| 63 | 11.0 | 110x | ||||
| 80 | 11.6 | 177x | ||||
| 100 | 12.1 | 277x | ||||
| 150 | 13.0 | 625x | ||||
| 200 | 13.6 | 1111x | ||||
| 250 | 14.1 | 1736x | ||||
| 300 | 14.5 | 2500x | ||||
| 400 | 15.1 | 4444x |
Eine andere Tatsache, über die sich Einsteiger oft wundern, ist, daß das Bild im Fernrohr auf dem Kopf steht. Dabei handelt es sich nicht um einen Konstruktionsfehler. Fernrohrbilder stehen immer auf dem Kopf, es sei denn, man baut eine Zwischenoptik ein, die das Bild wieder umdreht. Derartige Zwischenoptiken sind aber immer mit einem winzigen Lichtverlust verbunden. In der Astronomie, wo es ja darum geht möglichst schwache Objekte zu beobachten, möchte man aber nun jedes bischen Licht ins Auge bekommen. Aus diesem Grund verzichtet man auf derartige Zwischenoptiken und akzeptiert lieber ein auf dem Kopf stehendes Bild.
Es gibt mehrere Arten, ein Teleskop zu konstruieren. Die bekannteste ist
das Linsenfernrohr (Refraktor).
Der Refraktor besteht aus einem Objektiv am vorderen Tubusende und einem
Okular am hinteren Tubusende. Refraktorobjektive bestehen heute aus
mindestens zwei Linsen, da ein einlinsiges Objektiv störende
Farbsäume um alle Beobachtungsobjekte herum erzeugt (Farbfehler).
Durch den Einsatz von zwei oder mehr Linsen (teuer!) kann man diese Fehler
bis auf kleine Reste unterdrücken.
Eine Teleskopoptik muß nicht unbedingt aus Linsen bestehen. Man kann ein
Teleskop auch aus Spiegeln konstruieren. Beim Newton-Teleskop wird das
Bild durch einen Parabolspielgel am hinteren Tubusende erzeugt. Dummerweise
liegt das erzeugte Bild aber mitten im Strahlengang. Daher ist ein kleiner
Spiegel notwendig, der das Licht am oberen Tubusende seitlich hinaus wirft.
In ein Newton-Teleskop schaut man also oben von der Seite hinein. Der
Fangspiegel verursacht nicht etwa ein Loch im Bildfeld, aber er führt zu
einer mehr oder weniger kleinen Bildverschlechterung gegenüber einem
gleichgroßen Linsenobjektiv. Daher sollte man kein Spiegelteleskop
nehmen, dessen Hauptspiegel kleiner als 10cm ist. Der unangenehmste Nachteil
eines Newton-Teleskops ist, daß bei Spiegeln mit hoher Lichtstärke
(d.h. große Öffnung und relativ kurze Brennweite) die Sterne am
Bildfeldrand zu kleinen Komenten verzerrt werden (Koma). Jedoch lassen sich
Newton-Teleskope wesentlich preiswerter herstellen als Linsenteleskope. Daher
wird man zum Newton-Teleskop greifen, wenn man ein möglichst
großes Teleskop haben will. Ein anderer Vorteil ist, daß
Newton-Teleskope keine Farbfehler zeigen.
![]() Schmidt-Cassegrain-Teleskop |
![]() Maksutov-Teleskop |
Grob gesprochen unterscheidet man zwei Arten von Montierungen: azimutale
und parallaktische.
Mit einer azimutalen Montierung (z.B. Photostativ) kann man das Teleskop
nur waagerecht und senkrecht bewegen. Für Erdbeobachtungen reicht das aus.
Da die Sterne aber wegen der Erdrotation schräg über den Himmel laufen
(siehe Abb.), muß man mit solch einer Montierung das Teleskop ständig um
beide Achsen bewegen, um den Stern im Bildfeld zu halten. Das wird bei
höheren Vergrößerungen sehr schnell lästig.
Besonders unangenehm wird das, wenn die Montierung nicht über eine
Feinbewegung in beiden Achsen verfügt. Das ist bei manchen
200DM-Fernrohren der Fall. Damit ist es praktisch unmöglich, ein
Objekt genau im Bildfeld zu zentrieren bzw. es im Bildfeld zu halten.
Also: Finger weg von solchem Schrott!
Die nebenstehende Abbildung zeigt ein solches Billig-Teleskop. Derartige
Teleskope werden meinstens auch mit Okularen, die eine viel zu hohe
Vergrößerung liefern, verkauft. Anfänger wenden diese
auch meistens sofort an. Mit der abgebildeten Montierung ist es kaum
möglich ein Objekt bei hoher Vergrößerung längere
Zeit im Bildfeld zu halten. Ein zweiter Nachteil ist, daß die
Montierung beim Beobachten in Zenitnähe anfängt, sich
durchzubiegen. Dadurch wird das Einstellen eines Objekt sehr
schwierig, denn man muß immer vorausahnen um wieviel sich die
Montierung durchbiegt.
Auch von der rechts gezeigten
Montierung sollte man lieber die Finger lassen. Zwar verfügt die
Montierung über eine Feinbewegung in beiden Achsen, jedoch handelt es
sich dabei um biegsame Wellen (siehe Pfeile in rechter Abb.). Hat man
diese einmal berührt, so schwingen sie immer noch einige Zeit nach
und verwackeln dadurch das Teleskop. Besonders beim Beobachten mit hoher
Vergrößerung wird das extrem störend.
Man sollte lieber eine Montierung nehmen, bei der diese Wellen aus
unbiegsamen Metall gefertigt sind (siehe Pfeil in Abb. links)
bzw. biegsame Wellen durch solche ersetzen. Außerdem macht die hier
gezeigte Montierung einen wesentlich stabileren Eindruck als die rechts
oben gezeigte.
Daneben gibt es azimutale Montierungen mit Computersteuerung. Die
Nachführung in beiden Achsen und auch das Einstellen der
Beobachtunsobjekte erledigt ein kleiner Computer. Man braucht das Teleskop
nur einmal anhand von 2 Sternen auszurichten. Danach weiß der Computer
sofort, wo jedes seiner gespeicherten Himmelsobjekte (einige Tausend)
zu finden ist und wie er das Teleskop bewegen muß, damit das Objekt
immer im Bildfeld bleibt. Der Beobachter braucht nur die Nummer oder die
Koordinaten des gewünschten Objekts einzugeben, und den Rest erledigt
der Computer. Eine sehr feine Sache. Jedoch steht und fällt das
Ganze mit der Genauigkeit, mit der das Teleskop anfangs ausgerichtet wurde.
Bei Profis sind derartige Montierungen schon seit einger Zeit in Mode
(Beispiel: das 3.5m New-Technology-Telescope der ESO).
Für Astrofotografie sind derartige Montierungen nicht geeignet, da
das Bildfeld bei längerer Belichtungszeit anfängt, sich um den Leitstern
zu drehen. Es sei denn, man verwendet - wie bei Profis üblich - einen
Bildfeldrotator, um die Bildfelddrehung auszugleichen oder eine
sogenannte Polhöhenwiege. Letzteres ist nichts anderes als eine
Neigevorrichtung mit der man die vertikale Achse soweit neigt, bis sie
genau parallel zu Erdachse liegt. D.h. man macht aus der azimutalen
Montierung eine parallaktische
(siehe Abb. unten).
Dobson-Teleskope (siehe Abb. links) sind
ebenfalls azimutal montiert. Von der Bauweise her ist ein Dobson nichts
weiteres als ein azimutal montiertes Newton-Teleskop. Eine gute
Dobson-Montierung ist so leichtgänig, daß man das Teleskop
schon durch antippen mit einem Finger nachführen kann. Der
größte Vorteil der Dobson-Teleskope ist, daß sie einfach
konstruiert und damit leicht selbst zu bauen und auch billig sind.
Dobson-Teleskope erlauben es dem Amateur zu recht großen
Öffnungen zu gelangen, ohne sich gleich finanziell zu ruinieren. So
hat das hier gezeigte Dobson-Teleskop eine Öffnung von 83cm!
Eine parallaktische Montierung ist so konstruiert, daß man das
Fernrohr nur um eine Achse, der sog. Stunden- oder Polachse, bewegen
muß, um der Erdrotation zu folgen. Wird an dort ein Motor
angeschlossen, der diese Achse mit der richtigen Geschwindigkeit dreht,
dann braucht man sich um die Nachführung nicht mehr zu kümmern.
Jedoch verlangt eine solche Montierung mehr Sorgfalt beim Aufstellen (die
Stundenachse muß genau zum Himmelspol hin ausgerichtet werden) und
ist auch für Anfänger nicht so einfach zu bedienen wie eine
azimutale Montierung.
Parallaktische Montierungen gibt es in verschiedenen Varianten. Am
gebräuchlichsten sind die sog. "deutsche" und die
Gabelmontierung. Die Deutsche Montierung hat den Nachteil, daß das
Fernrohr durch ein Gegengewicht ausbalanciert werden muß. Jedoch
eignet sich die Gegengewichtsachse hervorragend, um dort eine Kamera
für Astrofotografie anzubringen (siehe nebenstehende Abbildung).
Außerdem läßt sich eine deutsche Montierung recht steif
konstruieren.
Bei einer parallaktisch montierten Gabelmontierung
entfällt das Gegengewicht. Der Nachteil der Gabelmontierung ist aber,
daß bei einem Einsatz dieser Montierung in niedrigeren geographischen
Breiten recht ungünstige Belastungsverhältnisse an der Gabel
entstehen. Außerdem ist eine stabile, d.h steife Gabel sehr schwer
herzustellen und zu bearbeiten. Diese Montierung ist in erster Linie
für kleine und kompakte Teleskope oder für azimutal montierte
Schmidt-Cassegrains und Maksutov-Teleskope geeignet.
Von einer azimutalen Gabelmontierung unterscheidet diese Montierung nur
durch eine sog. Polhöhenwiege (siehe Pfeil).
Zu diesem Thema gibt es schon sehr gute Abhandlungen im WWW. Wie z.B.
Okulare und okularseitiges Zubehör in den
Artikel
für Amateurastronomen von Wolfgang Strickling.
Daher möchte ich mir aus Faulheit hier jedes weitere Wort
über Okulare sparen - Sorry for that :-)
Sucherteleskope sind eine Art Zielfernrohr für's
Teleskop. Sie dienen dazu, ein Himmelsobjekt schneller finden zu
können. Darum verfügen sie über ein großes
Gesichtsfeld (ca. 5° und mehr) und eine hohe Lichtstärke. Man
sollte keine Sucherfernrohre verwenden, die kleiner als 6x30 sind. Noch
besser sind allerdings 7x50 Sucher. Kleine astronomische Fernrohre werden
in der Regel mit 5x24 Suchern ausgeliefert. Diese Sucher bringen nicht
viel, denn man sieht dadurch einfach zu wenig. Zu allem Übel kann es bei
manchen billig konstruierten 5x24 Suchern noch vorkommen, daß das
Sucherobjektiv durch eine interne Blende auf ca. 8mm abgeblendet ist.
Der Grund für diese Maßnahme liegt darin, daß man aus Konstengründen nur
ein einlinsiges Sucherobjektiv verwendet hat. Einlinsige Objektive zeigen
aber enorme Farbfehler, d.h.: die Objekte, die man mit einen solchen Objektiv
betrachtet, sind mit einem farbigen Saum umgeben. Zwar kann man diese
störenden Farbsäume unterdrücken, indem man das Objektiv einfach abblendet.
Jedoch geht das dann auf Kosten von Lichtstärke und Bildhelligkeit. Solche
Sucher sind vollkommen nutzlos, denn man sieht damit nicht viel mehr als
mit dem blossen Auge. Besser wäre es gewesen, man hätte ein zweilinisiges
Objektiv (so wie man es in den meisten Refraktoren findet) verwendet.
Derartige Billigst-Sucher sollte man sofort gegen mindestens einen 6x30
Sucher austauschen.
Daneben gibt es noch sog. "Telrad-Sucher". Ein Telrad ist eine
Visierhilfe für das Anpeilen eines Objekts mit dem bloßem Auge.
Es besteht aus einer Plexiglas-Scheibe, in der Kreise mit einem Durchmesser
von 0.5, 2 und 4° eingeblendet werden. Das Telrad ist eine sehr
nützliche Sache, denn das Einstellen von Objekten, die man schon mit
bloßem Auge sieht, geht damit schneller als mit manchem Sucherfernrohr.
Ich kenne mehrere Amatuere, die es nicht mehr missen wollen.
Eine andere, recht nützliche Erfindung, sind die Polsucherfernrohre. Sie
dienen dazu die Stundenachse eines Teleskops schneller auf dem Himmelspol
ausrichten zu können. Es gibt zwei Arten von Polsuchern: bei der 1.
handelt es sich um ganz normale Sucherfernrohre, in denen lediglich eine
Winkelskala zum Ausrichten des Teleskops mit Hilfe des Polarsterns eingebaut
ist. Bei der 2. Art von Polsuchern handelt es sich ebenfalls um kleine
Fernrohre mit Winkelskala. Jedoch sind diese Polsucher direkt in die
Stundenachse der Montierung eingebaut.
Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Zurück zum letzten Kapitel: Das Fernglas
Zum nächsten Kapitel:
Erfahrungsbericht Refraktor-Selbstbau
Zurück zu AVG-Homepage