Als Instrumentarium brauchen wir nichts weiteres als eine Uhr und eine einfache Visiervorrichtung bestehend aus einer langen Leiste mit Kimme und Korn an beiden Enden. Diese Visiervorrichtung befestigen wir z.B. auf ein Fotostativ. Wer mag kann anstatt der Visiervorrichtung auch ein Fernrohr oder Fernglas nehmem. Wichtig ist nur daß die Visiervorrichtung fest steht und nicht wackelt bzw. nicht versehentlich von jemanden verwackelt wird.
Nachts richten wir die Visiervorrichtung auf irgendeinen Stern im Süden aus.
Von Sternbildern brauchen Sie dazu noch nichts zu wissen. Es ist nur wichtig,
daß Sie den Stern in der nächsten Nacht wiederfinden und nicht mit einem
anderen verwechseln. Wegen der Erddrehung wird der Stern langsam über Ihr
Visier hinwegwandern (bzw. das Bildfeld des Teleskops verlassen).
Ist der gerade Stern über Ihr Visier hinweggewandert, so schauen Sie auf
die Uhr und notieren sich die Uhrzeit. Wenn Sie möchten können Sie nun zu
Bett gehen, aber bitte lassen Sie Ihre Visiervorrichtung jetzt so stehen,
wie sie steht. Das ist wichtig.
Am nächsten Abend sollten Sie ca. 10 Minuten früher hinaus gehen, um den
Moment nicht zu verpassen indem der Stern über Ihre Visiervorrichtung
hinwegwandert. Ist es schleßlich soweit, so schauen Sie bitte wieder sofort
auf die Uhr und vergleichen die Urzeit mit der, die Sie gestern notiert haben.
Und was stellen Sie fest? Der Stern ist heute 4 Minuten früher über Ihr
Visier hinweggewandert als gestern. Die Erde dreht sich demach in nur
23 Stunden und 56 Minuten einmal um ihre Achse. Wie kann das sein? Wo sind
die 4 Minuten geblieben? Ein Tag hat doch 24 Stunden?
Ein sog. Sonnentag hat 24 Stunden, aber was wir gemessen haben war
die Dauer eines Sterntags. Oder anders formuliert: Die Sonne braucht
24 Stunden für zwei Meridiandurchgänge, ein Stern aber nur 23 Sunden und
56 Minuten.
Woran liegt das? Während sich die Erde einmal in 23 Sunden 56 Minuten um Ihre Achse dreht, bewegt sie sich auch ein Stück weiter auf Ihrer Bahn um die Sonne, so daß sich die Sonne von der Erde aus gesehen ein wenig am Himmel verschoben hat. Dementsprechend steht sie nach einer Erdumdrehung - 23h 56min - noch nicht wieder im Süden (bzw. über dem kleine Haus in der Grafik unten). Wir müssen noch 4 Minuten warten. Dann steht die Sonne wieder im Süden. Ein Sonnentag hat als 24 Stunden. Der Stern ist jedoch so weit weg, daß die Strecke, die sich die Erde an einem Tag weiterbewegt kaum etwas ausmacht. Der Stern steht also nach 23h 56min wieder im Süden.
Was passiert nun mit den 4 Minuten, die der Stern pro Tag "vorgeht"?
Nun, im täglichen Leben ignorieren wir die einfach. Unser Leben ist nach der
Sonne ausgerichtet und nicht nach den Sternen. Wenn wir aber regelmäßig den
Sternenhimmel betrachten, so merken wir, das die Sterne immer früher auf-
bzw. untergehen. Die 4 Minuten pro Tag summieren sich im Laufe eines Monats
schon zu 2 Stunden auf. So steht z.B. Mitte Dezember um Mitternacht das Sternbild
Orion genau im Süden. Mitte März gegen Mitternacht beginnt er schon unter
zugehen, und im Juni steht er mit der Sonne zusammen am Taghimmel. Um Mitternacht
stehen dann die Sternblider Skorpion und Schlangenträger im Süden.
Zu jeder Jahreszeit gibt es also Sternbilder, die man dann besonders gut
beobachten kann und andere, die dann unsichtbar sind.
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