![]() | Eigenbewegung des Sirius (grüne Line) in einem Zeitraum von 20000 Jahren. Die anderen Sterne des Sternbilds Großer Hund sind wesentlich weiter von uns entfernt als Sirius, daher fällt ihre Eigenbewegung in diesem "kurzen" Zeitraum kaum auf |
Betrachten wir den Himmel mit bloßem Auge, so fällt uns schon nach einer guten halben Stunde auf, daß sich die Sterne bewegen. Sie scheinen westwärts über den Himmel zu laufen. Aber diese Bewegung wird nur durch die Rotation der Erde vorgetäuscht! Daher soll sie uns hier nicht weiter interessieren. Die wirkliche Bewegung der Sterne durch den Raum bezeichnet man als Eigenbewegung (Abk.: EB).
Alle Sterne in unserer Milchstraße umkreisen das Zentum der Milchstraße. Dabei bewegen sich die Sterne auch relativ zueinander (und auch relativ zur Sonne). Die Sterne sind viele Lichtjahre von uns entfernt. Daher sind ihre Eigenbewegungen auch sehr klein. So glaubte man lange Zeit, daß die Sterne fest am Himmel stehen. Deshalb bezeichnete man sie als Fixsterne. Erst 1718 bemerkte der englische Astronom Sir Edmund Halley, daß die Fixsterne gar nicht so fest am Himmel standen, wie man gedacht hatte. Beim Vergleichen von Sternpositionen mit denen aus der Antike stellte er fest, daß sie sich ein weinig verschoben hatten. So wurde die Eigenbewegung der Sterne entdeckt.
Der Stern mit der größten Eigenbewegung ist Barnards Pfeilstern, ein
roter Zwerg im Sternbild Schlangenträger. Er bewegt sich um 10.27"
pro Jahr. Oder anders ausgedrückt: er braucht ca. 180 Jahre, um den
Durchmesser des Vollmonds am Himmel zurückzulegen. Weitere Beispiele
sind in folgender Tabelle aufgeführt.
| Sterne mit großer Eigenbewegung | |||
|---|---|---|---|
| Stern | EB pro Jahr | Schienbare Helligkeit |
Entfernung [Lichtjahre] |
| Barnards Pfeilstern | 10,27" | 9,5m | 5,9 |
| Kapteyns Stern | 8,73" | 8,8m | 12,7 |
| Groombridge 1830 | 7,04" | 6,4m | 28,0 |
| Lacaille 9352 | 6,90" | 7,3m | 11,7 |
| Cordoba 32149 | 6,08" | 9,0m | 14,5 |
| Ross619 | 5,30" | 12,5m | 21,8 |
| 61 Cygni | 5,20" | 5,6m | 11,2 |
| Lalande 21185 | 4,78" | 7,5m | 8,1 |
| Wolf 359 | 4,71" | 13,7m | 7,6 |
| epsilon Indi | 4,69" | 4,7m | 11,2 |
| Lalande 21258 | 4,53" | 8,7m | 18,9 |
| WX Ursae Majoris | 4,53" | 14,8m | 18,9 |
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Beim Studieren der Eigenbewegungen fand man Sterne mit sehr
hohen Raumgeschwindigkeiten (zwischen etwa 30 und 200km/s), wie z.B.
AE Aurigae, 53 Arietis und My Columbae. Bei ihnen handelt es sich um
Sterne der Spektralklassen O und B, die vermutlich aus Sternassoziationen
entstammen. Ihre Geschwindigkeit und Bewegungsrichtung deuten darauf hin,
daß sie einst der Orion-Assoziation angehörten. Eine Theorie nimmt an, daß
die drei Sterne ursprünglich Mitglieder eines Vierfachsterns im Orion waren,
dessen massenreichste Komponente vor etwa drei Millionen Jahren als Supernova
explodierte. Die auf die drei anderen Komponenten übertragende Energie
trieb diese aus dem Sternbild Orion heraus, so daß sie sich heute weit von
ihrem Geburtsort entfernt in den Sternbildern Fuhrmann ("Auriga"), Taube
("Columba") und Widder ("Aries") befinden. Nach einer anderen Theorie sollen
die drei Sterne durch zufällige enge Begegnungen mit anderen massereichen
Orion-Sternen aus dem Orion herausgetrieben worden sein.
Außerdem entdeckte man sogenannte Schnelläufer. Das sind zur Population II gehörende Sterne in der Sonnenumgebung, die nicht an der allgemeinen Rotation der Scheibe des Milchstraßensystems teilnehmen, sondern sich auf stark elliptischen Bahnen um das Zentrum der Galaxis bewegen. Sie bleiben daher gegenüber der Sonne mit einer mittleren Geschwindigkeit zurück, die der Umlaufgeschwindigkeit der Sonne um das Milchstraßenzentrum entspricht (ca. 250km/s). Bis heute wurden über 600 Schnelläufer entdeckt, die eine größere Geschwindigkeit als 65km/s relativ zur Sonne haben.
Daneben fand man noch sogenannte Sternströme. Sie
stellen die diffusesten Sternhaufen dar. Ihre Mitglieder können sehr weit
verstreut sein. Beispiel: Fünf Sterne des Sternbildes Großer Wagen
sind Mitglieder des sogenannten Bärenstroms. Diese fünf Sterne bewegen sich
in die gleiche Richtung und sind ungefähr gleich weit von uns entfernt.
Beim Untersuchen der Bewegung weiterer Sterne des Milchstraßensystems
stellte man jedoch fest, daß sich noch mehr Sterne in die gleiche
Richtung bewegen wie der Bärenstrom. Zu diesen Sternen gehören: Sirius,
Delta Leonis, Beta Aurigae, Beta Eridani und Gemma. Insgesamt sind etwa
100 Mitglieder dieses Haufens bekannt, die über den ganzen Himmel verstreut
sind. Das liegt daran, daß sich unsere Sonne durch die Randbezirke dieses
Haufens bewegt.
Aus der Bewegung der nächsten Sterne kann man auf die Bewegung der Sonne
schließen. Die mittlere Eigenbewegung der Sterne hängt vom Winkel zwischen
der Sonnenbewegung und der Richtung zu den Sternen ab: Liegen die Sterne
in Richtung des Fluchtpunktes
(Apex) der Sonnenbewegung,
so ist ihre mittlere Eigenbewegung gleich Null. Die Sonne bewegt sich
mit einer Geschwindigkeit von 19,7 km/s relativ zu den Nachbarsternen
auf das Sternbild Herkules zu. Die Koordinaten des Apex lauten: RA=18h 04m,
Dekl= +34°. Unsere Sonne umkreist das Zentrum der Michstraße mit
einer Geschwindigkeit von 220km/s. Für einen Umlauf um das Zentrum
benötigt sie ca. 200 Millionen Jahre.
Subtrahiert man die solare Bewegung von den Eigenbewegungen der Sterne, so erhält man, die wahre Bewegung der Sterne im Raum. Diese Bewegung nennt man Pekuliarbewegung.
In einem Jahr legt die Sonne rund 600 Millionen km zurück. Das ist viermal soviel wie die Strecke Erde-Sonne! Die dadurch hervorgerufenen Parallaxen (säkulare Parallaxen) können zur Entfernungsbestimmung herangezogen werden. Dadurch kann man noch die Entfernungen von Sternen messen, die für eine Entfernungsbestimmung mittels trigonometrischer Parallaxen zu weit entfernt sind.
Eine andere große Bedeutung hat die Eigenbewegung bei der Bestimmung der Entfernung von Bewegungssternhaufen. Das sind Sternhaufen, bei denen sich die einzelnen Sterne alle mit der selben Geschwindigkeit durch den Raum bewegen (siehe Kap. 4.3 - Die Entfernung der Sterne).
Ein weiterer Punkt ist die Bedeutung der Eigenbewegung für das Verständnis
der galaktischen Rotation. Nur mit Hilfe der Eigenbewegung kann man die
Änderung der Winkelgeschwindigkeit mit zunehmender Entfernung vom
galaktischen Zentrum messen.
Zusammenfassung:
Das haben wir soeben gelernt:
Bis ins 18. Jahrhundert glaubte man, die Sterne wären fest am Himmel
befestigt. Man nannte sie daher Fixsterne.
Alle Sterne kreisen um das Zentrum der Milchstraße. Dabei verändern
sie auch ihre Position zueinander. Diese Bewegung nennt man
Eigenbewegung. Sie ist aber so klein, daß sie mit bloßem Auge
betrachtet erst nach Jahrtausenden auffällt. Daher ist der Begriff
Fixsterne heute gar nicht mehr gerechtfertigt.
Zur vollständigen Beschreibung der Bewegung der Sterne benötigt man
die Eigenbewegung in Rektaszension und Deklination sowie die
Radialgeschwindigkeit. Kennt man noch die genauen Koordinaten und
Entfernung der Sterne, so kann man die Veränderung der Sternbilder im
Laufe der Zeit berechnen.
Unsere Sonne bewegt sich mit ca. 20km/s auf das Sternbild Hercules zu.
Sie umkreist das Zentrum der Milchstraße mit einer Geschwindigkeit
von 220km/s. Für einen Umlauf braucht sie 200 Millionen Jahre.
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Der Radius der Sterne
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