Einführung in die Astronomie Teil 4 - Das kleine 1x1 der Astrophysik
4.3 Die Helligkeit der Sterne
Die Scheinbare Helligkeit
Bereits beim flüchtigen Betrachten des Sternenhimmels fällt auf, daß nicht
alle Sterne gleich sind. Schon vor mehr als 2000 Jahren teilte der
griechische Astronom Hipparch die Helligkeit der Sterne grob in sog.
Größenklassen ein. Die hellsten Sterne nannte er "Sterne 1.
Größe" und die schwächsten Sterne, die er gerade noch mit bloßem
Auge sehen konnte, nannte er "Sterne 6. Größe". Das Wort
"Größenklasse" wird meistens durch 'mag' oder einfach nur 'm'
abgekürzt.
Diese Helligkeitseinteilung wurde über die Jahrhunderte immer mehr
verfeinert. So war es nach Erfindung des Teleskops nötig geworden,
die Skala über die 6.Größe hinaus zu erweitern, da man selbst mit einem
bescheidenen Teleskop schwächere Sterne sehen kann. Die schwächsten Sterne,
die man mit modernen Großteleskopen heutzutage noch beobachten kann, haben
eine Hellikteit von ca. 30. Größenklasse.
Außerdem hat man festgestellt, daß die hellsten Sterne am Himmel und
einige Planeten heller sind als 1.Größe. Es wurde die 0., -1. -2. usw.
Größe eingeführt. Der hellste Stern am Nachthimmel ist Sirius mit
-1.46mag. Mars Jupiter und Venus können noch heller werden. Jupiter und
Mars bringen es auf -2,8mag, und Veuns kann -4,4mag erreichen. Der Vollmond
schafft's auf -12,7mag und die Sonne erreicht -26,8mag.
Als Nullpunkt für die Skala diente früher der Polarstern mit einer
Helligkeit von 2,12mag. Seit dem man aber gemerkt hatte, daß er geringe
Helligkeitsschwankungen zeigt, schied der Polarstern als Nullpunkt aus.
Heute benutzt man die Helligkeit einiger genau vermessener Sterne als
Nullpunkt für die Größenklasse.
Im letzten Jahrhundert hat man herausgefunden, daß die Größenklasse keine
willkürliche Einheit ist. Man fand heraus, daß zwei Sterne A und B, deren
Helligkeit sich um genau eine Größenklasse unterscheidet, sich in ihrer
Strahlungsintensität um einen Faktor 2,512 unterscheiden. Ist Stern A
zwei Größenklassen heller als Stern B, so unterscheiden sich ihre
Strahlungsintensitäten um den Faktor 2,512x2,512=6,310. Treibt man
dieses Spielchen weiter, dann erhält man folgende Tabelle:
Differenz in Größenklassen |
Intensitätsunter- schied um Faktor |
| 1 | 2,512 |
| 2 | 6,300 |
| 2,5 | 10 |
| 3 | 15,849 |
| 4 | 39,811 |
| 5 | 100 |
| 7,5 | 1000 |
| 10 | 10 000 |
| 12,5 | 100 000 |
| 15 | 1 000 000 |
Um eine Größenklassendifferenz m2-m1 in ein
Intensitätsverhältnis I1/I2
umzurechnen, kann man sich folgender Formel bedienen:
|
I1/I2 = 10 0,4·(m2-m1)
| mit |
m1 = Helligkeit des 1.Stern in Größenklassen
m1 = Helligkeit des 2.Stern in Größenklassen
I1 = Intensität des 1. Sterns
I2 = Intensität des 2. Sterns
|
Möchte man ein gegebenes Intensitätsverhältnis I1/I2 in
eine Größenklassendifferenz umrechnen, so geht man wie folgt vor:
Die Absolute Helligkeit
Die scheinbare Helligkeit ist kein Maß für die wirkliche
Leuchtkraft oder absolute Helligkeit eines Sterns, da man einem Stern auf
dem ersten Blick nicht ansieht, ob wir es mit einer trüben Funzel in
Sonnennähe oder mit einem hellen Überriesen in einigen 1000 Lichtjahren
Entfernung zu tun haben. Betrachten wir dazu einmal folgende drei Sterne:
Die Sonne, Sirius im Großen Hund und Rigel im Orion. Mit einer scheinbaren
Helligkeit von -26,8 ist die Sonne 13,7Milliarden mal heller als Sirius,
der hellste Stern am Nachthimmel. Sirius ist aber trotzdem immer noch
4.3 mal heller als Rigel mit einer scheinbaren Helligkeit von 0,12.
Um etwas über die absoluten Helligkeiten der Sterne aussagen zu können,
rechnet man aus, wie hell sie erscheinen würden, wenn sie alle 10pc von
der Erde entfernt wären. Unsere Sonne wäre dann nur noch ein Sternchen
4,8 Größe, Sirius käme auf eine Helligkeit von 1,4M (Absolute
Helligkeiten kürtzt man duch ein 'M' ab) und Rigel auf -7,1M. D.h:
Sirius ist in Wirklichkeit 22,9 mal so hell wie unsere Sonne, aber
Rigel ist in Wirklichkeit noch 2500 mal heller als Sirius. Das entspricht
einer Helligkeit von über 57000 Sonnenleuchtkräften! Rigel ist ein heller
Überriese (Leuchtkraftklasse Ia). Im Gegensatz dazu ist der sonnennächste
Stern - Proxima Centauri, ein roter Zwergstern - eine extrem trübe Funzel.
Trotz seiner Entfernung von nur 4,2 Lichtjahren bringt er es nur auf eine
scheinbare Helligkeit von 10,7mag. Dies entspricht einer absoluten
Helligkeit von 15,1M oder 0,000 08 Sonnenleuchtkräften.
Farbabhängigkeit der Helligkeit der Sterne
Als gegen Ende des 19. Jahrhunderts die Astrofotografie in den
Sternwarten einzog, bemerkte man, daß manche Sterne auf Fotoplatten
heller und andere schwächer erschienen als mit bloßem Auge betrachtet.
Rigel, ein blau-weißer Stern, erschien auf den Fotoplatten
besonders hell, während Beteigeuze - ein rötlicher Stern - schwächer
erschien. Das liegt daran, daß die damals verwendeten Fotoplatten
hauptsächlich für blaues Licht empfindlich waren, während das menschliche
Auge für gelbes Licht am empfindlichsten ist. Man muß eigentlich bei einer
Helligkeitsmessung stets angeben, in welchem Spektralbereich (Farbe) die
Messung gemacht wurde. Wenn aber keine näheren Angaben darüber gemacht
wurden, dann ist meistens die visuelle Helligkeit gemeint.
Um z.B. die Helligkeit eines Sterns auf Fotoplatten beschreiben zu
können, wurde der Begriff photographische Helligkeit eingeführt
(Abk.: mphot oder mpg).
Hat man die Helligkeit eines Sterns mit dem bloßem Auge oder mit einem
Detektor gemessen, der die gleiche Farbempfindlichkeit hat wie das bloße
Auge, so redet man von der visuellen Helligkeit eines Sterns
(Abk.: mV).
Daneben gibt es heute noch andere, sog. Standardmeßbereiche :
Ultraviolett (Abk.: U), blau (Abk.: B), rot (Abk.: R), nahes Infrarot
(Abk.: I), usw. Die Differenz der Helligkeiten eines Sterns bei zwei
verschiedenen Wellenlängen ist ein Maß für seine Farbe. Diese Differenz
bezeichnet man als Farbindex. Sehr oft findet man den Farbindex (B-V),
d.h. Blauhelligkeit minus Gelbhelligkeit. Ist (B-V) > 0, so
hat der Stern eine rote Farbe, ist (B-V) < 0 so haben wir
es mit einen blauen Stern zu tun.
 |
 |
| Das Sternbild Orion, links im Blauen und rechts
im Roten aufgenommen. Auf der Blauaufnahme treten blaue Sterne besonders
hervor, während rote Sterne, wie z.B. Beteigeuze (der linke obere
Schulterstern), relativ schwach hervortreten. |
Die Bolometrische Helligkeit
Leider - oder Gott sei Dank - läßt unsere Erdatmosphäre nur einen Teil
der Strahlung aus dem Weltraum durch. Der weitaus größte Teil wird
absorbiert. Das bedeutet für die Astronomen auf der Erde, daß sie den
größten Teil des Sternenlichts gar nicht zu fassen bekommen. Man müßte
sich also in den Weltraum begeben, wollte man die Strahlung eines Sterns
über das gesamte elektromagnetische Spektrum messen. Eine über das
ganze Spektrum gemessene Helligkeit nennt man bolometrische
Helligkeit .
Ein Problem dabei ist, daß Strahlungsdetektoren nur für bestimmte
Wellenlängen empfindlich sind. Daher müssen Theorien über Sternatmosphären
herangezogen werden, um die Energieverteilung in einem Sternspektrum
abzuschätzen. Die Resultate sind meistens recht unsicher. Kennt man die
Energieverteilung in einem Sternspektrum, so kann man Korrekturwerte
angeben, um aus den scheinbaren visuellen Helligkeiten die bolometrische
Helligkeit zu bestimmen. Diese Korrekturwerte nennt man Bolometrische
Korrektur , Abk.: B.C.
Es gilt:
| B.C. = mbol - mV |
mit |
B.C. = bolometrische Korrektur
mbol = bolometrische Helligkeit
mV = visuelle Helligkeit
|
Bei sonnenähnlichen Sternen sind die bolometrischen Korrekturen klein, aber
bei heißen oder kühlen Sternen werden sie sehr groß. Sie betragen dann
mehrere Größenklassen. Die Werte sind jedoch recht unsicher, da sie auf
Umwegen erhalten wurden. Die nachfolgende Tabelle gibt die bolometrische
Korrektur für Hauptreihensterne an.
Spektral- typ | B0 | A0 | F0 | G0 |
K0 | K5 | M0 | M5 |
B.C. [mag] |
-2,69 | -0,10 | +0,07 | +0,01 |
-0,12 | -0,55 | -1,10 | -2,48 |
Zusammenfassung:
Das haben wir soeben gelernt:
Die Helligkeit der Sterne wird in
Größenklassen angeben. Ein Helligkeitsunterschied zweier Sterne von
einer Größenklasse entspricht einen Intensitätsunterschied von einem
Faktor 2,512.
Die scheinbare Helligkeit
gibt an, wie hell ein Stern von der Erde aus gesehen am Himmel
erscheint. Die absolute Helligkeit ist ein Maß für die
wirkliche Strahlungsleistung eines Sterns.
Die Helligkeit eines Sterns hängt
auch von der Farbe (d.h. vom Spektralbereich) ab, in der die
Helligkeitsmessung vorgenommen wurde.
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letzte Änderung: 08.04.2000