Einführung in die Astronomie Teil 4 - Das kleine 1x1 der Astrophysik
4.2 Die Keplerschen Gesetze
Autor: Uwe Nolte
Historisches
Um 1600 war die Planetenbewegung ein noch ungelöstes Problem.
Laut
Ptolemäus (ca. 160 n.Chr.) sollten sich die Planeten in Kreisbahnen
um die ruhende Erde bewegen. Aber schon den Astronomen in der Antike war
klar, daß sich die schon mit bloßem Auge beobachtbaren Schleifenbewegungen
der Planeten (siehe Kap. 3.3 Der Lauf
der Planeten) mit dieser Theorie nicht erklären lassen. Also mußten
Hilfskonstruktionen her, um die Theorie zu retten: die sog. Epizykel.

Geozentrische Deutung der Planetenbewegung mit Hilfe von
Epizykeln
|
Demnach sollte ein Planet die Erde nicht direkt umkreisen, sondern auf
einem Hilfskreis (Epizykel) entlanglaufen, dessen Zentrum die Erde
entlang eines Hauptkreises (Deferent) umrundet. Dummerweise kam man mit
einem Epizykel nicht aus, sondern mußte bis zu 40 Epizykel einführen, um
die Planetenbewegung wiedergeben zu können. Dadurch wurde die Theorie
recht kompliziert.
Nikolaus Kopernikus suchte nach einer einfacheren Beschreibung für die
Planetenbewegung. Er kam schließlich auf die Idee, alle Planeten
inklusive der Erde, um die Sonne kreisen zu lassen (vielleicht hat er auch nur von
Aristach abgeschrieben).

Heliozentrische Deutung der Planetenbewegung nach Kopernikus.
Man beachte, daß auch er nicht ohne Epizykel auskam!
|
Nun sind aber die Planetenbahnen keine exakten Kreise, wie Kopernikus
annahm. Daher mußte auch er Epizykel einführen, um sein Modell an die
Beobachtungen anzupassen. Er brauchte sogar 48 Hilfskreise dafür - die
Einfachheit seines Modells war also dahin.
Gegen Ende des 16. Jahrhunderts beschäftigte
sich
Johannes Kepler mit der Planetenbewegung. Ihm war klar, daß man zur
Lösung des Problems möglichst exakte Beobachtungsdaten brauchte.
Der Astronom, der die genauesten Beobachtungsdaten seiner Zeit besaß,
war der verfressene
Tycho Brahe. Doch leider gewährte er Kepler nur zögernd und
widerwillig Einbilck in seine Beobachtunsdaten. Erst nachdem Tycho gestorben
war, bekam Kepler vollen Einblick in dessen Beobachtungsdaten. Daraus
formulierte Kepler seiner berühmten drei Gesetze der Planetenbewegung.
Das erste Kepler'sche Gesetz
Die Planeten bewegen sich auf Ellipsen, in deren einem Brennpunkt die
Sonne steht.
Das zweite Kepler'sche Gesetz
Der Radiusvektor (Verbindungslinie Sonne-Planet) überstreicht in
gleichen Zeiten gleiche Flächen.
Die Ellipsensegmente zeigen die Flächen, die vom Radiusvektor in der
gleichen Zeit überstrichen werden. Alle Segmente sind gleich groß.
Daraus folgt, daß sich ein Planet in Sonnennähe (Perihel) schneller bewegt
als in Sonnenferne (Aphel).
Das 2. Keplersche Gesetz ist auch als Flächensatz bekannt.
Die Quadrate der Umlaufszeiten der Planeten verhalten sich wie die
3. Potenzen ihrer mittleren Entfernung von der Sonne.
Gibt man z. B die Umlaufzeit zweier Planeten in Jahren und die Entfernung in
Astronomischen Einheiten an, so
gilt:
| a(Planet1) ³:a(Planet2) ³ = T(Planet1) ²:T(Planet2)² | mit |
a = mittlere Entfernung des Planeten von der Sonne in AE
T = Umlaufzeit des Planeten in Jahren |
Das heißt nicht, dass das Quadrat der Umlaufzeit gleich der 3. Potenz der mittleren Entfernung eines Planeten wäre,
sondern der Quotient aus beiden für mehre Planeten annähernd gleich ist.
Newton zeigte später, daß das 3. Keplersche Gesetz nur ein Spezialfall
des Zweikörperproblems ist, bei dem man die Masse des einen Körpers
gegenüber der Masse des anderen Körpers vernachlässigt.
Die exakte Form des 3. Keplerschen Gesetzes lautet:
mit |
T = Umlaufszeit des Planeten in Sekunden
a = mittlere Entfernung des Planeten in Meter
m1, m2 = Masse der Sonne bzw des Planeten in kg
G = Gravitationskonstante |
Mit dem 3. Keplerschen Gesetz kann man die relativen Entfernungen
der Planeten allein aus ihren Umlaufszeiten bestimmen.
Bestimmt man nun den Abstand Erde-Venus während eines Veuns-Durchgangs
vor der Sonne (dann stehen Sonne, Venus und Erde in einer Reihe), so kann
man auch die Astronomische Einheit und damit die mittleren Entfernungen der
Planeten in km bestimmen.
Z.B. hat die Venus eine Umlaufszeit von 0.61521 Jahren. Nach der einfachen
Form des 3. Keplerschen Gesetzes erhält man eine mittlere
Sonnenentfernung von 0.72335AE. Bei einen Venus-Durchgang ist die Venus
dementsprechen 0.27665AE von der Erde entfernt. Bestimmt man nun diesen
Abstand z.B. zu 41.4Mill km, so erhält man für die Astronomische
Einheit: 149.65Mill km und damit 108.25Mill km für den mittleren
Abstand der Venus von der Sonne.
Der Literaturwert für die Astronomische Einheit lautet:
1.49597870 x 108 km.
In vergangenen Jahrhunderten wurden für solche
Venus-Durchangs-Messungen sogar Expeditionen an das andere Ende der Welt
geschickt. Heute erledigt man solche Messungen mit Radar, indem man die
Laufzeit eines Signals zum Planeten und zurück mißt.
Zusammenfassung:
Das haben wir soeben gelernt:
Die Keplerschen Gesetze lauten:
-
- Planeten bewegen sich auf Ellipsen, in deren einem Brennpunkt die
Sonne steht.
- Der Radiusvektor überstreicht in gleichen Zeiten gleiche
Flächen.
- Die Quadrate der Umlaufszeiten der Planeten verhalten sich wie
die dritten Potenzen ihrer mittleren Entfernung von der
Sonne.
Zurück zum letzten Kapitel:
Wo rohe Kräfte sinnvoll walten...
Zum nächsten Kapitel:
Die Helligkeit der Sterne
Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Zurück zur AVG-Homepage
© Die AVG Internet-Redaktion,
letzte Änderung: 18.06.2007