Wer schon einmal die Sterne in einem Teleskop betrachtet hat, wird
festgestellt haben, daß sie stets punktförimg aussehen, egal mit welcher
Vergrößerung man sie auch immer betrachtet. Andererseits werden Sie
vielleicht schon gehört haben, daß unsere Sonne nur ein durchschnittlicher
Stern ist. Es gibt Sterne, die viel kleiner sind als die Sonne, aber es
gibt auch welche, die wesentlich größer als die Sonne sind.
Es stellt sich nun die Frage, wie die Astronomen etwas über den Durchmesser
eines Sterns in Erfahrung bringen können, wenn dieser doch nur als
Lichtpunkt im Teleskop erscheint.
Unmittelbar messen können wir den Radius nur bei unserem nächsten Stern, der Sonne. Aus ihrem scheinbaren Winkeldurchmesser von 1/2° und bei ihrer Entfernung von ca. 150.000.000km erhält man für ihren Durchmesser einen Wert von ca. 1,3x106km (Literaturwert: 1.39x106km).
Um den Durchmesser der Sterne bestimmen zu können, haben sich die Astronomen folgendes einfallen lassen:
Durch kurzbelichtete (Belichtungszeit < 50ms) Aufnahmen wird die
Luftunruhe eingefroren. Dadurch kann das theoretische Auflösungsvermögen
eines Teleskops voll ausgenutzt werden. Ein Speckle-Bild enthält viele
Flecken, die nicht kleiner sind als der Winkeldurchmesser der Sterne. Mit Hilfe
dieser Methode gelang es, in den letzten Jahren, den Durchmesser von Sternen, die
einen Winkeldurchmesser größer als 0,01" haben zu bestimmen.

Mit dieser Methode konnte man den Durchmesser von rund 100 Sternen zuverlässig bestimmen. Der größte Stern, den man bisher gefunden hat, ist VV Cephei: Er ist 1600 mal größer als unsere Sonne. Stellte man ihn ins Zentrum unseres Sonnenssystems, so würde er fast bis zur Saturnbahn reichen!
Vor dem Objektiv eines Teleskops wird eine Blende mit zwei Spalten
(Spaltabstand D) angebracht. Punktförmige Objekte erzeugen ein
Interferenzsystem.
Ein Lichtstrahl vom Rand des Sterns (gelb) bildet mit einem
Lichtstrahl, der von der Scheibenmitte des Sterns ausgeht (rot),
den Winkel
/2. Auch dieser Strahl erzeugt ein
Interferenzsystem.
Die Beiden Interferenzmuster überlagern sich. Solange der
Winkeldurchmesser
klein gegen den
Gangunterschied ist, bleibt das Interferenzmuster bestehen.
Vergrößert man den Spaltabstand D, so kommt irgend wann der Moment,
indem das Interferenzmuster verschwindet. Das ist der Fall, wenn

Da der Spaltabstand D und die Wellenlänge des Lichts bekannt sind,
folgt aus dieser Gleichung der Winkeldurchmesser und damit bei
bekannter Entfernung des Sterns auch dessen Radius.

Die nebestehende Abbildung zeigt das 6m Michelson-Interferometer, mit
dem am Mount Wilson Observatorium der Durchmesser von rund 10 Riesen- bzw.
Überriesensternen bestimmt wurde. Die Punkte A und B
kennzeichnen zwei Spiegel, mit einen Abstand von 6m, durch die das
Sternenlicht ins Teleskop gelenkt wird. Die Meßgrenze dieses
Interferometers lag bei 0".01.

Beispiel: Rigel im Orion. Dieser Stern hat eine absolute Helligkeit von -7.1M oder 57000 fache Sonnenleuchtkraft und eine Oberflächentemperatur von ca. 12000K. Rigel ist damit doppelt so heiß wie die Sonne, und strahlt daher pro m² 16 mal mehr Energie ab wie die Sonne. Wäre er auch genauso groß wie die Sonne, so wäre er "nur" 16 mal heller als diese. Da er aber in Wirklichkeit 57000 mal heller ist, muß seine Oberfläche 57000/16=3560 mal größer als die Sonnenoberfläche sein. Da die Kugeloberfläche proportional zum Quadrat des Durchmessers ist, folgt das der Durchmesser Rigels ca. 60 mal so groß sein muß wie der Sonnendurchmesser.
Ein Anderes Beispiel ist der Siriusbegleiter Sirius B:
Er hat die gleiche Farbe (weiß) wie Sirius A und damit den gleichen
Energieoutput pro m² Sternoberfläche wie Sirius A. Da
Sirius B aber ca. 10000 mal schwächer ist als Sirius A,
muß die Oberfläche von Sirius B 10000 mal kleiner und sein
Durchmesser 100 mal kleiner sein als der von Sirius A.
Mit dem Korrelations-Interferometer konnte man den Durchmesser
von Sirius A zu 1,75 Sonnendurchmesser oder
2,45x106km bestimmen. Damit folgt für den Durchmesser
von Sirius B ein Wert von 24500km oder ca. doppelten Erddurchmesser.
Sirius B hat damit Planetengröße; ein Zwerg verglichen mit anderen
Sternen. Daher bezeichnet man diese Sterne als "Weiße Zwergsterne".
Bei dieser Methode geht man davon aus, das es sich bei den Stern um einen sog. schwarzen Strahler handelt. In Wirklichkeit ist diese Annahme nicht voll erfüllt, da das Licht der Sterne aus Schichten mit verschiedenen Temperaturen stammt.
Mit dem Hubble Space Telescope (HST) können nahe Riesen- und Überriesen
direkt als Scheibe beobachtet werden, da das HST sich in einer
Erdumlaufbahn befindet und dort nicht mehr unter den
sichtverschlechternden Einwirkungen der Erdatmosphäre zu leiden hat.| Stern | Winkel-Duchmesser in Sonnendurchmessern | |
|---|---|---|
| Arktur | 0,"022 p | 26 |
| Aldebaran | 0,"020 p | 45 |
| Beteigeuze | 0,"047 p | 1000 |
| Scheat | 0,"021 p | 150 |
| Ras Algethi | 0,"030 p | 680 |
| Mira | 0,"047 p | 390 |
| Antares | 0,"040 p | |
| ß Cru | 0,"000728 i | |
| Bellatrix | 0,"00076 i | 3,1 |
| epsilon CMa | 0,"00081 i | 87 |
| alpha Pav | 0,"00080 i | |
| Alnilam | 0,"00072 i | |
| Achernar | 0,"00193 i | 9 |
| Alnair | 0,"00102 i | 2,15 |
| Regulus | 0,"00138 i | 3,8 |
| Rigel | 0,"00269 i | |
| Sirius | 0,"00612 i | 1,75 |
| Wega | 0,"00347 i | 3,04 |
| Fomalhaut | 0,"00209 i | 1,56 |
| Canopus | 0,"00686 i | 41 |
| Atair | 0,"00297 i | 1,6 |
| Prokyon | 0,"00571 i | 2,14 |
Zusammenfassung:
Nur bei der Sonne kann der
Durchmesser direkt bestimmt werden.
Es gibt folgende Methoden, um den
Durchmesser der Sterne zu bestimmen:
Der Radius der Sterne liegt
zwischen 1600 Sonnenradien bei Überriesen und Planetengröße bei
Weißen Zwergsternen.
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Die Temperatur der Sterne
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4.9 Die Eigenbewegung der Sterne
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