Die Spektren der Sterne
![]() Objektivprismenaufnahme eines Sternfeldes. Bei einigen Sternen erkennt man die Spektrallinien. |
Vielmehr Informationen, als das integrale Licht eines Sterns liefern kann, erhält man, wenn man das Sternenlicht spektral zerlegt. Dazu bieten sich zwei Möglichkeiten an: 1.) man setzt vor das Objektiv des Teleskops ein Prisma (Objektivprismen-Methode). Vorteil: man kann ganze Sternfelder auf einem Schlag spektroskopieren (siehe Abb oben). Nachteil: die spektrale Auflösung (Dispersion) ist recht gering und sehr oft überlappen sich die Spektren. 2.) Man bringt an Stelle des Okulars einen sog. Spektrografen an, der das Sternenlicht in seine Spektralfarben zerlegt. Vorteil: man erhält Spektren hoher Dispersion. Nachteil: die so erzeugten Spektren sind sehr lichtschwach. Außerdem kann man so nur einen Stern auf mal spektroskopieren.
Was hat man nun gefunden? Die Spektren der Sterne bestehen meistens - genau wie das Sonnenspektrum auch - aus einem kontinuierlichen Untergrund mit überlagerten dunklen Absorptionslinien oder -banden. Manchmal kommen auch Emissionslinien vor. Obwohl Spektren genau so viele Unterschiede zeigen wie Fingerabdrücke von Menschen, konnten Kriterien zur Klassifizierung gefunden werden. Man hat sehr schnell festgestellt, daß sich die meisten Sterne in ein eindimensionales Schema von Spektraltypen einordnen lassen. Diese wurden zuerst mit A, B, C usw. durchnummeriert. Nach einigen Umstellungen blieb schließlich die Reihenfolge O, B, A, F, G, K, M übrig. die Reihenfolge kann man sich übrigens mit folgender Eselsbrücke merken: Oh, Be A Fine Girl/Guy Kiss Me. Zur genaueren Klassifizierung der Sterne wurde später noch eine Unterteilung der Spektralklassen von 0 bis 9 eingeführt.
![]() Abb.1: Spektren von Vertretern der Spektralkeassen O4 bis M4 |
| Spektral- typ | Standard- Stern | Temperatur | Beschreibung |
|---|---|---|---|
| O5 | Zeta Pup | 44000 K | Absorptionslinien (manchmal auch Emissionslinien) mehrfach ionisierter Atome, besonders des einfach ionisierten Heliums. Balmer-linien des Wasserstoffs schwach. Wenig Frauenhoferlinien. |
| B0 | Tau Sco | 30000 K | Linien des neutralen Heliums stark, He+ verschwindend, Balmer-Serie mäßig stark. |
| A0 | Wega | 9000 K | Balmer-Serie in maximaler Stärke. Linien von Fe+ und Ca+ treten auf, Intensitäten dieser Linien durch die Spektralklasse A hindurch zunehmend. |
| F0 | Gamma Vir | 7200 K | Balmer-Serie wird schwächer aber immer noch dominierend. H und K Linien des Ca+ zunehmend. Linien neutraler Metalle treten auf, besonders von Fe. Starke Veränderung des Gesamtanblicks der Spektren gegenüber den Klassen O, B, A wegen Zunahme der Zahl der Linien. |
| G0 | Capella | 6000 K | Ca+ stark. Balmer-Serie weiter abnehmend, aber noch mäßig stark. Viele Linien von neutralen Metallen. Linien von CN und CH treten auf. Ähnelt dem Sonnenspektrum. |
| K0 | Arcturus | 5000 K | Ca+ in maximaler Stärke Linien von neutralen Metallen und Molekülen sehr stark. Strukturreichtum der Spektren nimmt durch die Spektralklasse hindurch rasch zu. |
| M0 | Beta And | 3500 K | Bandenspektrum des TiO vorherrschend. Starke Linien neutraler Elemente, besonders Ca. Balmer-Linien sind sehr schwach. |
| Leuchtkraftklassen | |
|---|---|
| Ia, Ib | Helle Überriesen |
| II | Überriesen |
| III | Riesen |
| IV | Unterriesen |
| V | Hauptreihen- oder Zwergsterne |
| VI | Unterzwerge |
| VII | Weiße Zwerge |
![]() Abb.2: Das Hertzsprung-Russel-Diagramm. Dieses Diagramm wurde zu Beginn des Jahrhunderts von den Astronomen Hertzsprung und Russel gezeichnet, um etwas über die Verteilung von Temperatur (Spektraltyp) und Leuchtkraft der Sterne zu erfahren. Die Hoffnung war, auf diese Weise etwas über den Sternaufbau lernen zu können - eine Hoffnung, die sich voll erfüllt hat. |
Da es einen physikalischen Zusammenhang zwischen Spektraltyp, Oberflächentemperatur und Farbe eines Sterns gibt, kann man auch die Helligkeit gegen die Farbe eines Sterns auftragen. Das hat den Vorteil, daß sich die Farbe wesentlich leichter bestimmen läßt als ein Spektrum. Alles was man braucht sind zwei Aufnahmen des Sterns, die mit verschiedenen Farbfiltern (z.B. blau und gelb) gemacht wurden. Die Differenz der Helligkeiten im Blauen und im Visuellen ist ein Maß für die Farbe des Sterns. Diagramme, die man auf diese Weise erhält, nennt man Farben-Helligkeits-Diagramm. Sie sind für die Untersuchung der Entwicklung von Sternhaufen von großer Bedeutung. Aus dem Abknickpunkt des Riesenastes, von der Hauptreihe, können die Theoretiker das Alter des Sternhaufens berechnen. Ein Sternhaufen ist umso älter, je weiter rechts unten der Abknickpunkt liegt.
![]() Abb.3: Farben-Helligkeits-Diagramm für einige offene Sternhaufen. Man beachte, daß der Riesenast bei verschiedenen Haufen an verschiedenen Stellen von der Hauptreihe abzweigt. |
Zusammenfassung:
Das haben wir soeben gelernt:
Je nach dem, welche Linien im
Spektrum vorkommen, unterteilt man die Sterne in die Klassen O, B, A, F,
G, K und M.
Das Auftreten/Verschwinden der
Spektrallinien hängt von der Temperatur des Sterns ab.
Um Sterne mit gleichem Spektraltyp
aber unterschiedlicher absoluter Helligkeit unterscheiden zu können,
wurden die Leuchtkraftklassen eingeführt.
Beim Hertzsprung-Russel-Diagramm
(HRD) trägt man die absolute Helligkeit der Sterne gegen den Spektraltyp
auf. Man unterscheidet folgende Bereiche: Diagonale = Hauptreihe; rechtes,
oberes Viertel = Riesenast; linke, untere Ecke = weiße Zwerge. Das HRD
ist ein wichtiges Werkzeug für die Untersuchung von Sternhaufen.
Zurück zum letzten Kapitel:
Die Entfernung der Sterne
Zum nächsten Kapitel:
Die Massen der Sterne
Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Zurück zur AVG-Homepage