Obwohl die Sterne zu weit weg sind, um ein Thermometer hineinhalten zu können, haben die Astronomen eine recht gute Vorstellung davon, was die Oberflächentemperatur der Sterne betrifft. Diese Informationen konnten aus dem Licht der Sterne entnommen werden. Im folgenden soll erklärt werden, wie sowas gemacht wird.
Wie wir bereits in Kapitel 4.5 (Die Spektren der Sterne) gesehen haben, ist das Auftauchen und Verschwinden von Spektrallinen ein Hinweis auf die Oberflächentemperatur der Sterne.
Da wir alle unsere Informationen über die Sterne aus ihrer Strahlung beziehen, die Strahlungsintensität auf der Erde wird durch die Entfernung eines Sterns bestimmt, bleiben zur Temperaturbestimmung nur die Intensitätsverhältnisse im Spektrum. Dabei kann man entweder die Energieverteilung im Kontinuum oder im Spektrum heranziehen. Bei der Auswertung der Energieverteilung im Kontinuum legt man die Gesetze der schwarzen Strahlung zugrunde.
Bei der schwarzen Strahlung hängt die Energieverteilung im Spektrum (siehe Abb.
links) nur von der Temperatur ab. Mit den Gesetzen der schwarzen
Strahlung läßt sich aus der Energieverteilung im Kontinuum die Temperatur
bestimmen. Dies kann
auf verschiedene Art und Weise geschehen. Da gasförmige Sternatmosphären
keine perfekten schwarzen Strahler sind, muß man damit rechnen, mit
verschiedenen Methoden verschiedene Temperaturwerte zu erhalten. Die
Erfahrung zeigt aber, daß die Definition der Sterntemperaturen aufgrund der
Gesetze der schwarzen Strahlung sehr zweckmäßig und sinnvoll sind.
Hierbei spielen besonders folgende Temperaturdefinitionen eine Rolle:
effektive Temperatur, Strahlungstemperatur, Farbtemperatur
und Wiensche Temperatur
Farbtemperatur.
Setzt man hier statt P die Leuchtkraft L des Sterns ein, so erhält man die Definitionsgleichung für die effektive Temperatur:
Eine direkte Bestimmung von Teff aus Leuchtkraft und Radius ist außer bei der Sonne nur bei wenigen anderen Sternen möglich. Die wenigen direkt bestimmten Werte effektiver Sterntemperaturen haben eine sehr große Bedeutung, denn sie bilden das Fundament für die Temperaturwerte, die den einzelnen Spektraltypen zugeordnet werden. Die Effektivtemperatur gehört zu den Grundgrößen (Zustandsgrößen), die den Zustand einer Sternatmosphäre kennzeichnet.
Wir alle kennen diese Tatsache aus dem Alltag: halten wir ein Stück Eisen in ein Feuer, so glüht es zuerst rot, dann gelb und danach weiß.
Bei der Anwendung dieses Gesetz bei der Bestimmung von Sterntemperaturen besteht jedoch das Problem, daß Spektrallinien und Banden einen Teil des Spektrums wegabsorbieren und dadurch die Bestimmung der Lage des Emissionsmaximums erschweren.
Anregungstemperaturen werden aus den relativen Besatzungszahlen der Energieniveaus (wieviel Atome befinden sich im Grundzustand? Wieviele Atome befinden sich in einem angeregten Zustand?) eines bestimmten Elements erhalten. Damit z.B. die Balmerlinien entstehen können, muß sich ein Wasserstoffatom im ersten angeregten Zustand befinden. D.h. durch den Zusammenstoß zweier Wasserstoffatome wird das Elektron in einer "höheren Umlaufbahn" um den Kern befördert. Bei A-Sternen (T=9000K) befindet sich der größte Teil der Wasserstoffatome in diesem Zustand. Daher sind die Balmerlinien bei diesen Sternen am stärksten. Bei kälteren Sternen befindet sich ein immer kleiner werdender Anteil der H-Atome im 1. angeregten Zustand. Daher nimmt die Stärke dieser Linien bei kühleren Sternen wieder ab.
Zusammenfassung:
Sterne können näherungsweise als
schwarze Strahler betrachtet werden.
Man unterscheidet folgende
Temperaturdefinitionen:
Die Temperaturen der Sterne liegen
zwischen 45000K bei O5-Sternen und 2500K bei braunen Zwergen.
Zurück zum letzten Kapitel:
Die Massen der Sterne
Zum nächsten Kapitel:
Der Radius der Sterne
Zurück zum Inhaltsverzeichnis
Zurück zur AVG-Homepage