Die Frage des Monats

Willkommen bei einer neuen Rubrik von StarChild! Jeden Monat werden wir an dieser Stelle eine häuftig gestellte Frage beantworten.

Die Fragen aus vergangenen Monaten könnt Ihr in unserem Archiv finden.

Die Frage:

Liebes StarChild,
Was ist das für ein heller Stern am Abendhimmel?

Die Antwort:

In diesen Monaten könnt Ihr am westlichen Abendhimmel einen sehr hellen "Stern" sehen. Genau genommen ist es kein Stern, sondern unserer innerer Nachbarplanet Venus. Den Unterschied zwischen eine Stern und einen Planet könnt Ihr im Fernrohr sehr leicht feststellen: Sterne sind sehr weit entfernte Sonnen, die ihr Licht durch Prozesse in ihren Inneren erzeugen. Sie sind so weit weg (mehrere Lichtjahre), daß sie auch im größten Fernrohr nur wie ein Punkt aussehen. Dagegen ist die Venus ein Objekt unseres Sonnensystems. Genau wie unsere Erde, kreist sie auch um die Sonne. Wie alle Planeten reflektiert die Venus nur das Licht der Sonne. Wenn Ihr Euch die Venus im Fernrohr anschaut, erkennt Ihr leicht, daß die Venus nicht wie ein Stern aussieht. Anfang April sieht sie aus, wie eine eiförmige Scheibe.


Die Phasen der Venus. Man kann sie leicht in einem Fernrohr erkennen.

In den folgenden Wochen und Monaten könnt Ihr mit dem Fernrohr verfolgen wie die Venus immer mehr abnimmt. Am 10. Juni 1999 ist Halbvenus. Danach ist sie als eine immer schmaler werdende Sichel im Teleskop am Abendhimmel zu sehen. Am 20. August ist schließlich Neuvenus. Die Venus zeigt Lichtphasen - genau wie unser Mond auch. Diese Phasen sind ein Beweis dafür, daß die Venus kein eigenes Licht aussendet, sondern nur das Sonnenlicht reflektiert.


Anfang des Jahres stand Venus noch sehr weit, nämlich 243 Millionen km, von der Erde entfernt hinter der Sonne. Fast die ganze von der Sonne beleuchtete Venushälfte war von der Erde aus zu sehen. Daher sah die Venus im Teleskop wie eine kleine, runde Scheibe aus (siehe Abbildung oben). Da die Venus hinter der Sonne steht, geht sie bereits kurz nach Sonnenuntergang unter.


Da die Venus nur 224,7 irdische Tage für einen Umlauf um die Sonne braucht - die Erde benötigt dafür 365,26 Tage - holt die Venus die Erde auf ihrem Weg um die Sonne langsam ein. Dabei verringert sich der Abstand Erde-Venus und das Venusscheibchen wird im Fernrohr von Woche zu Woche größer. Am 1.4.99 ist die Venus 185 Millionen km von uns entfernt, am 30.4.99 sind es nur noch 155 Millionen km. Die Venus steht nun immer weiter links von der Sonne und geht somit auch immer später unter.


Während die Venus die Erde langsam einholt, wendet sie der Erde immer mehr von ihrer unbeleuchteten Nachtseite zu. Das Venusscheibchen wird immer schmaler und gleichzeitig immer größer. Am 10. Juni 1999 ist Halbvenus.


Die Venus beginnt jetzt, sich zwischen Erde und Sonne hindurch zu bewegen. Von der Erde aus gesehen steht sie nicht mehr ganz so weit links von der Sonne wie noch im Juni. Dadurch geht die Venus jeden Tag früher unter. Am 1. Juli 99 ist die Venus noch 81 Millionen km von der Erde entfernt, am 31. Juli 99 sind es nur noch 51 Millionen km. Im Teleskop erkennt man eine große, aber sehr schmale Sichel.


Am 20. August 99 um 14 Uhr Sommerzeit überholt die Venus die Erde. Von der Erde aus gesehen steht die Venus an diesem Tag dicht unterhalb der Sonne am Taghimmel. Jetzt is Neuvenus, das heißt, wir sehen von der Venus jetzt nur noch die unbeleuchtete Nachtseite. Leider können wir dieses Ereignis nicht beobachten, da die Sonne die Venus überstrahlt. An diesem Tag ist die Venus nur 43 Millionen km von uns entfernt.


Die Venus hat die Erde überholt. Von der Erde aus gesehen steht sie jetzt rechts von der Sonne. Das heißt, sie geht Morgens noch vor der Sonne auf, und ist nun als leuchtender "Morgenstern" am Himmel zu beobachten. Sie entfernt sich jetzt immer mehr von der Erde. Am 15. September 99 ist der Abstand Venus-Erde auf 55 Millionen Kilometer angewachsen. Die Venusscheibchen erscheint im Teleskop immer kleiner, und ihre Phase nimmt immer mehr zu. Im Juni 2000 wird die Venus von der Erde aus gesehen wieder hinter der Sonne stehen, und das ganze Spiel beginnt von vorne.


StarChild Zurück zur StarChild Homepage Zur Imagine the Universe! Homepage beim HEASARC Imagine the Universe!

StarChild ist ein Service des "High Energy Astrophysics Science Archive Research Center" (HEASARC),  Direktor: Dr. Nicholas E. White, innerhalb des "Laboratory for High Energy Astrophysics" (LHEA) bei der NASA/ GSFC.

StarChild Autoren: Das StarChild Team
StarChild Graphiken: Danksagung
StarChild Projekt-Leiterin: Dr. Laura A. Whitlock
Technische Unterstützung: Sherri Calvo


Übersetzt mit freundlicher Genehmigung von Dr. Laura A. Whitlock.
Melden Sie Fehler bitte bei der AVG-Internet-Redaktion.