Der Sternenhimmel des Monats Dezember als PDF zum Download.

PLANETEN IM DEZEMBER 2022

Merkur
kann bei exzellenten Bedingungen um den 22. herum abends gesehen werden etwa zwischen 17:00 und 17:20 Uhr. Exzellente Bedingungen heißt: Glasklare, trockene Luft und ein tieflegender freier südwestlicher Horizont. Ein Feldstecher sollte nicht fehlen. Südlichere Breitengrade haben bessere Bedingungen.

Venus
macht sich abends über dem Südwesthorizont bemerkbar. Ihre Untergänge verspäten sich etwas von 16:55 Uhr am 1. auf 17:08 Uhr am 15. und 17:45 Uhr am 31. Ihr Durchmesser liegt bei 10 Bogensekunden, ihre Phase bei 98 bis 96%, ihre Helligkeit noch bei -3,9 mag.

Mars
ist auffälliges Objekt am Nachthimmel mit Werten um -2mag, am 08. seine Opposition erreichend. Am 08. gibt es ein Highlight der Sonderklasse, weil Mars an seinem Oppositionstag vom vollen Mond bedeckt wird. Der Mond erreicht sine Vollphase um 05:00 Uhr, die Bedeckung beginnt (Göttinger Koordinaten) um 06:01 Uhr und endet um 06:59 Uhr. Leider hat der Mond in unseren Breiten dann nur noch eine Höhe von nur ca. 12,5 Grad überm westnordwestlichen Horizontabschnitt. Am Oppositionstag misst Mars gut 17 Bogensekunden Durchmesser, der aber bis zum 31. wieder auf unter 15 Bogensekunden abfallen wird. Auch Mars‘ Helligkeit sinkt bis zum 31. deutlich auf ca. -1,2mag ab.

Jupiter
bleibt das beherrschende Objekt am Abendhimmel mit -2,3mag bis Monatsende. Jupiters Durchmesser liegt bis Monatsende bei knapp 40 Bogensekunden, ist also noch ein lohnendes Fernrohrobjekt. Jupiters Untergänge verfrühen sich von 1:34 Uhr am 1. auf 0:43 Uhr am 15. und auf 23:45 Uhr am Monatsletztem.

Saturn
erreicht am 1. um 21:52 Uhr die Horizontlinie, am 15. um 21:03 Uhr, und am 31. um 20:08 Uhr und läutet damit sein Sichtbarkeitsende ein. Saturns Äquatordurchmesser liegt noch bei 15,8 Bogensekunden, die Ringe sind um 13,7°geöffnet. Seine Helligkeit liegt bei 0,8mag.

 

Uranus
steht mit 5,8mag im Sternbild Widder, seine Untergänge in die 2. Nachthälfte verlegend. Am 1. geht er noch um 06:00 Uhr unter den Horizont, am 1. um 05:02 Uhr, und am 31. schon um 03:57 Uhr. Am 31. kulminiert Uranus um 20:31 Uhr, so dass noch etwas Beobachtungszeit bleibt.   Karte mit der scheinbaren Bahn von Uranus 2022.

Neptun
im Sternbild Wassermann verlegt seine Kulminationen bis Ende des Monats in die Dämmerungsstunden. Am 1. quert der ferne Planet noch um 19:13 Uhr den Meridian, am 15. schon um 18:18 Uhr und am 31. bereits um 17:15 Uhr. Die Sonne steht dann ca. 8 Grad unterm Horizont, die bürgerliche Dämmerung ist also gerade vorbei. 
Karte mit der scheinbaren Bahn von Neptun 2022.

IAU-Definition für den Begriff „Planet“ (IAU: Internationale Astronomische Union): Ein Planet ist ein Körper, der ausschließlich um die Sonne und keinen weiteren Körper läuft. Seine Form erreicht annähernd kugelför-mige Gestalt. Seine Gravitation ist ausreichend groß, um seine Umgebung zu bereinigen. Er dominiert seine Umgebung also gravitativ.

Zwergplaneten

Ceres  (1) im Sternbild Löwe wechselt am 3. ins Nachbarsternbild Jungfrau. Ceres‘ Helligkeit wächst von 8,6 auf 8,3mag an. Ihre Meridiandurchgänge: Am 1. um 7:36 Uhr, am 31. um 06:12 Uhr. Am 1. steht sie ca. 3,5 Grad südlich von Denebola (2,3mag), am 11. passiert sie Omikron Vir (4,1mag) in ca. 2 Grad nordöstlichem Abstand. Am 31. Steht sie schließlich 3 Grad westlich von Rho Vir (4,8mag).

Pluto hat sich Pluto vom abendlichen Himmel verabschiedet.  Karte mit der scheinbaren Bahn von Pluto 2022.

IAU-Definition für den Begriff „Zwergplanet“: Ein Zwergplanet ist ein Körper der wie ein Planet ausschließlich die Sonne und keinen weiteren Körper läuft. Seine Gestalt ist ebenfalls annähernd kugelförmig. Aber seine Gravitation reicht nicht aus, um seine Umge-bung zu bereinigen. Er darf außerdem kein Satellit (Mond) eines Planeten sein!

Kleinkörper der Sonnensystems

Vesta „Planetoid Nr. 4“, esta (4) durchwandert in nordöstlicher Richtung durchs Sternbild Wassermann. Am 1. steht sie noch 6Grad südwestlich von Scheat (3,3mag). Am 18. wandert Vesta zwischen Scheat und Tau 1 und 2 Aqr hindurch. Zu Scheat hat sie dann 1,4 Grad nordwestlichen Abstand erreicht. Bis Ende Dez. hat Vesta eine Position 5,5 Grad nordöstlich von Scheat erreicht. Vestas Helligkeit liegt Anfang Dez. bei 7,8mag und hat am 31. noch 8,1mag. Den Meridian passiert sie am 1. um 18:09 Uhr, am 15. um 17:31 Uhr und am 31.schon um 16:50 Uhr!  Karte mit der scheinbaren Bahn von Vesta 2022.

IAU-Definition für den Begriff „Kleinkörper des Sonnensystems“: Kleinkörper des Sonnensystems sind alle weiteren die Sonne umlaufenden Körper, die nicht Planet oder Zwergplanet sind. Der Begriff „Kleinplanet“ sollte nicht mehr verwendet werden.

Meteorströme

Die Geminiden sind der stärkste Meteorstrom des Dezembers. Mit gut 120 ist ihre stündliche Rate beim Ma-ximum am 13./14. Dez. relativ stark. Ihre Geschwindigkeiten liegen bei ca. 35km/sec. Die Breite des Stroms reicht vom 06. bis zum 16.12. Aufgrund der optimalen Sichtbarkeit des „Ursprungssternbildes“ liegen die besten Beobachtungsstunden zwischen 21h und 6h. Der Mond kulminiert gegen 4Uhr.

Vom 16. bis 25. Dezember machen sich die Ursiden am Himmel bemerkbar. Mit einer Rate von ca. 30/h erreichen sie um den 22. ihr Maximum.

Von Mitte Dez. bis etwa Mitte Januar könne noch die Coma-Bereniciden beobachtet werden. Sie sind zwar recht schnell mit 65km/s aber wenig ergiebig.

Die Quadrantiden erreichen ihr Maximum am 04. Januar 2023.

DER STERNENHIMMEL IM DEZEMBER 2022

Der Sternenhimmel des Monats
Objekte für Fernglas und Fernrohr
Sternbildportrait: Der Fuhrmann, (Aur), Auriga
Interessante Einzelsterne im Fuhrmann

Der Sternenhimmel des Monats

Um den 15.Dezember gegen 24 Uhr beherrscht nun das Wintersechseck den Himmel. (Siehe Karte). Mintak-a, der westliche der drei Gürtelsterne des Orion, geht eben durch den Meridian. Wir haben in diesem Moment 5h 32m Sternzeit (die Rektaszension von Mintaka).

Die westlichen Teile des Pegasus sind bereits untergegangen. Die Fische und der Walfisch Ketos treten e-benfalls langsam unter den Horizont. Nur der Held Perseus steht noch nahe des Zenits. Der Stier mit den Hyaden und den Plejaden und Teile des Fuhrmanns haben den Meridian gerade passiert. Zwillinge, Kleiner und Großer Hund und der Orion sind jetzt die tragenden Akteure des Himmelsgeschehens im Dezember.

Im Osten ist der Löwe bereits aufgegangen. Zwischen Procyon, dem Hauptstern des Kleinen Hundes und Regulus, dem Hauptstern im Löwen, steht eine schöne kleine 5-eckige Sternengruppe in einer Gegend mit sonst eher schwachen Sternen: Der Kopf der Wasserschlange Hydra. Der Große Bär mit seinem Rumpfteil, dem sogenannten „Großen Wagen“, steht fast senkrecht zum Horizont. Zwischen der Wagendeichsel und dem Schwanz des Löwen (Denebola) geht gerade das Sternbild „Haar der Berenike“ auf. In dessen Richtung steht am Himmel der Coma-Supergalaxienhaufen. Zu dieser übergeordneten Struktur gehört auch der Virgo-Galaxienhaufen, soz. als kleiner Ausläufer des Coma-Galaxienhaufens in unserer Richtung. Die Jungfrau (lat. „Virgo“) wird erst noch aufgehen. Ab 3h wird sie über dem Horizont stehen.

Direkt im Zenit leuchtet der 6.-hellste Stern des Himmels: Capella im Sternbild Fuhrmann. Das schöne auf-fällige 5-Eck des Fuhrmannes vertritt gleich mehrere Legenden und Sternbildsagen.

Bei dunkler Nacht und gutem Wetter können wir von der Cassiopeia bis zum Großen Hund die schwache Wintermilchstraße verfolgen. In dieser Zone befinden sich am Himmel interessante Deep-Sky-Objekte. Ei-nige sind unten tabellarisch aufgeführt. M35 mit NGC 2158 bei den Zwillingen, beim Fuhrmann M37, 36 und 38. Für Astrofotografen interessant ist die Gegend des Sternbildes Monoceros, dem Einhorn. Hier befinden sich zwei berühmte schwach leuchtende Gashebel: Der Rosettennebel und der Madonnennebel.
OBJEKTE FÜR FERNGLAS UND FERNROHR
Das Sternbildportrait des Monats wird diesmal den Fuhrmann (lat.: Auriga) zum Ziel haben. Die Sternhaufen-kette über M37 M36 und M 38 ist dabei wie für Fernglasbenutzer geschaffen! M35 am „linken Fuß“ der Zwil-linge ist gerade bei schwach vergrößernden Ferngläsern sehr schön. Auch einige leuchtende Gasnebel zie-ren diese am Himmel dünnste Stelle der Milchstraße. NGC 1931 ist im Fernrohr ab 6 Zoll ein bereits gut zu sehendes aber winziges Nebelfleckchen. Viele Andere NGC- und IC-Objekte sind nur fotografisch zugänglich. Etwa IC 443 und Simeis 147, beides Supernovaüberreste. Diese beiden und viele Andere sind nur länger be-lichteten Fotografien vorbehalten.

Ein interessanter Veränderlicher ist RT Aur. Er steht zwischen den Zwillingen und dem Fuhrmann-Fünfeck. Seine Periode beträgt nur 3,7 Tage und er schwankt zwischen 5 und 5,8mag; ist also bereits für kleine Ferngläser geeignet!

STERNBILDPORTRAIT: AURIGA (AUR), FUHRMANN
Über den Fuhrmann gibt es verschiedene mythologische Erzählungen.

Das im Winter bei uns zenitnah stehende Sternbild stellt in seiner bekanntesten Ausdeutung Erichthonios, den König von Athen, dar. Erichthonios war zugleich Sohn des Feuergottes Hephaistos und wurde aufgezo-gen von der Göttin Athene. Von seiner Ziehmutter lernte er auch die Zähmung von Pferden. Er soll der erste gewesen sein, der es schaffte, 4 Pferde vor seinen Wagen zu spannen. Mutig beeindruckte er die Götter, indem er mit seinem Wagen dem Gott Hephaistos ebenbürtig schien. Zeuss versetzte den fahrkünstigen Erichthonios an den Sternenhimmel. Am Himmel deuten einige Sterne auf eine Zügel haltende Figur hin – vielleicht den Erichthonios, der gerade auf dem von ihm Athene zu Ehren abgehaltenen Fest der Panathe-näen die Zügel seines Vierspänners in den Händen hält. Bei diesen Festen lenkt Erichthonios seinen Wagen oft ins Ziel.

Laut anderer Quellen steht das schöne Sternbild für Myrtilos, den Wagenlenker des Königs Oinomaos von Elis. Myrtilos selbst war Sohn des Hermes und der schnellste Wagenlenker im Reich des Oinomaos. Oino-maos war so eifersüchtig auf die vielen Freier seiner schönen Tochter, dass er zu einem Wagenrennen auf Leben und Tod einlud, das Myrtilos jedes Mal prompt gewann. Nachdem schon viele Bewerber so den Tod fanden, meldete sich der Sohn des Tantalos namens Pelops und hielt um die Hand der Hippodameia an. Diesmal hatte sie sich regelrecht in den jungen Mann verliebt und bat Myrtilos etwas nachzuhelfen, damit Pelops gewinnen sollte. Nachdem Myrtilos den schnellen Wagen manipulierte, lösten sich die Räder an Oinomaos Wagen, so dass der König zu Tode stürzte. Als Dank für die Tat warf Pelops den Myrtilos ins Meer, um die Königstochter sicher für sich zu haben. Noch ins Wassers stürzend belegte der Sohn des Hermes das Haus des Pelops mit einem Fluch.

Eine andere Variante berichtet von dem Wagenlenker Hippolytos, in den sich seine Stiefmutter Phaidra ver-liebt hatte und von Hippolytos abgewiesen wurde. Phaidra beging in ihrem Schmerz Selbstmord. Die eigent-lich ja Unschuldige wurde von König Theseus in die Verbannung geschickt und kam ums Leben, als sein Wa-gen zerbrach. Der berühme Arzt und Heiler Asklepios (Der Schlangenträger) heilte Hippolytos – schließlich war jener ja unschuldig am Tod der Phaidra! Da meldete sich Hades bei Zeuss. Hades meinte, so ginge es nicht, schließlich heilte Asklepios die edelsten Seelen und diese gingen für das Totenreich des Hades verlo-ren. Zeuss streckte prompt den Asklepios mit einem Blitz nieder und versetzte Arzt und Wagenlenker an den Himmel.

Hier eine Übersichtskarte:

Der dargestellte Himmelsanblick auf der Karte gilt für den 15.12. 24h, 30.12. 23h, 15.01.2023. 22h, 30.1 21h, 15.02. 20h, usw.

EINZELNE STERNE IM FUHRMANN

Alpha leuchtet gelblich mit 0,3 mag in 42 Lichtjahren Entfernung. Er wird bei Plinius und Manilius auch Ca-pella, Capra oder Caper genannt. Bei Ovid Olenium Astrum. Im persisch-griechischen Sprachraum hieß er auch Alhajoc oder Alhajoth. Die Ägypter brachten ihn in Verbindung mit ihrem Gott Ptah. Die Inder nannten ihn Brahma Ridaya, das Herz Brahmas. Bei den Chinesen formt Capella mit Theta, Beta, Kappa und Gamma Woo Chay, die Wagenlenker der fünf Könige. Das akkadische Dil-gan I-ku steht für den Botschafer des Lichtes.

Beta leuchtet bläulichweiß mit 1,9 mag Helligkeit und ist 82 Lichtjahre entfernt. Seine arabische Bezeichnung lautet Al Mankib dhi’l Inan, der Zügelhalter.

Gamma (= Beta Tau) ist 1,7 mag hell mit bläulicher Färbung. Er ist 130 Lichtjahre entfernt. Sein Name, El-nath, geht auf das arabische Al Ka’b dhi’l Inan, Ferse des Zügelhalters, zurück. Spätere arabische Astrono-men nannten ihn auch Al Karn al Thaur al Shamaliyyah, nördliches Horn des Bullen.

Delta leuchtet gelblich mit 3,7 mag bei 140 Lichtjahren Abstand. Sein Name ist im Chinesischen Pa Kuh, die 8 Kornähren. Die Hindus nannten ihn Praja-pati, den Herrn der erschaffenen Wesen.

Epsilon leuchtet weißlich in 3000 Lichtjahren mit 3.0 bis 3,8 mag, ist also veränderlich. Im arabischen war er Al Maaz, der Ziegenbock.

Zeta ist der westliche der Sterne, die Plinius zu einem separaten kleinen Sternbild (Haedi) zusammenfasste. Er leuchtet mit 3,7 bis 4,0 in 800 Lichtjahren Entfernung mit einer gelblichen Färbung.

Iota nennt sich wie Gamma ebenfalls Al Ka’b dhi’l Inan.

Weitere durchaus auffällige Sterne in diesem Sternbild haben offensichtlich keinen mythologischen Hintergrund.

Quellen:

Himmelsjahr 2022, Kosmos-Verlag
Sternbilder und ihre Mythen, Springer-Verlag
Der Sternenhimmel 2022, Kosmos-Verlag
Starnames -Their Lore and Meaning, Dover Publ. Inc.
Atlas für Himmelsbeobachter, Kosmos-Verlag
The Night-Sky Observers Guide, Willmann-Bell Inc.
Sterne erzählen, Walter-Verlag
Handbook of the Constellations, Vehrenberg-Verlag

Viel Spaß beim Beobachten!